Responsive image
Diverse

Bearbeitungen für Violine und Klavier

Shannon Lee, Pamela Mia Paul

Telarc/Inakustik 080695
(55 Min., 4/2007) 1 CD

Oft erlebt man es ja nicht mehr, dass Debütanten noch auf solche Parcours geschickt werden: Die zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade 14-jährige Kanadierin Shannon Lee geigt sich auf ihrer ersten CD durch ein Zugabenprogramm aus Vorkriegszeiten – Salonstückchen und kammermusikalische Zweitverwertungen, geschrieben oder arrangiert von berühmten Kollegen wie Fritz Kreisler, Zino Francescatti, Joseph Szigeti oder Nathan Milstein, die meisten Baujahr 1860 bis 1920. Nun man mag böse witzeln, wer mit dem Nachtisch anfange, sei eigentlich schon am Ende, doch sollte man diesen ungeschickten Start eher einem kunstfernen Umfeld zuschreiben, das entweder nicht abwarten kann oder aber im Glauben ist, mit Artistik ließe sich heute eine Karriere begründen. Artistisch ist es zweifellos, was Lee zu bieten hat: lupenreine Intonation, blitzschnelle, gestochen scharfe Läufe und ein Bogen, der nicht nur zackig hin und her saust ("Hummelflug"!), sondern einen substanziellen, recht wandlungsfähigen Ton aus dem Instrument lockt.
Wüssten wir nicht längst, zu welch Wundern Wunderkinder so fähig sind, wir wären gewiss sprachlos. So aber hören wir genauer hin und registrieren mit dem Talent ganz nüchtern auch das, was fehlt – Eigenständigkeit und Widerständigkeit. Spätestens, wenn es mit dem verwaisten Scherzo von Brahms (für die sogenannte F-A-E-Sonate) musikalisch ernst wird und Lee von ihrer erwachsenen Begleiterin, die auf diese Gelegenheit offenbar nur gewartet hat, mir nichts dir nichts an die Wand gespielt wird, da wünscht man ihr noch ein paar Jahre Ruhe zur Reife. Wie viel große Geigerin wirklich in ihr steckt – zum jetzigen Zeitpunkt kaum zu sagen.

Raoul Mörchen, 13.02.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man eine Umfrage über die Lieblingsjahreszeiten machen würde, dann würde der Winter dabei vermutlich eher schlecht abschneiden. Zu kalt, zu nass, zu dunkel – so die landläufige Meinung über diesen introvertierten Bruder des sonnensatten Sommers und der farbenfrohen Übergangszeiten. Nur Weihnachten, das bildet ein kleines, gemütliches (wenn auch für viele nicht unstressiges) Glanzlicht in der Winter-Tristesse. Doch der Winter ist weit mehr als nur die dunkle Jahreszeit, das hat […] mehr »


Top