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Joseph Martin Kraus

Amphitryon (Schauspielmusik)

Chantal Santon, Georg Poplutz, l'arte del mondo, Werner Ehrhardt

Phoenix Edition/Naxos PE111
(78 Min., 11/2007) 1 CD

"Guten Morgen, liebe Mutter! (…) Hab so eine kleine Arbeit unter Händen die man betitelt Intermèdes pour l'Amphitryoon: ein Ding bestehend aus 6 Quartseiten säuberlichen französischen Reimen und einem ganzen Register von pantomimischen Tänzen als namentlich: La lutte, la course, le ceste, Ballet des douze heures de la Nuit und natürlich (…) ein dergleichen wo die Nacht die lieben Sternchen gar liblich invitirt, unter ihren finstern Mantel zu schlifen, um Herrn Jupiter nicht auf seinen geheimen Weegen zu beleuchten, welches sich dann diese gefälligen Dinger behagen lassen. All das Zeug soll ich eben so niedlich in Musik sezen, und der Monarch sagte: ich würde ihm einen Gefallen erzeigen, wenn ich's fein hübsch geschwinde zusammenschmirte. (…) Aber – ders Sprichwörtchen gemacht hat: Morgenstund hat Gold im Mund war gewiß nicht Componist."
Auch wenn Joseph Martin Kraus (1756-1792) mit seiner Schauspielmusik zu Molières "Amphitryon" in der Tat nicht rechtzeitig fertig geworden ist: Das Ergebnis ist mindestens genauso reizend und inspiriert wie der Brief, in dem er seiner Mutter über das Auftragswerk des Königs von Schweden berichtet. Und ebenso reizend und inspiriert ist denn auch diese Live-Ersteinspielung des von der französischen Ballettoper beeinflussten Werks; allenfalls die Sopranistin Chantal Santon klingt in der virtuosen Arie der Nacht nicht vollkommen ausgeschlafen. Ansonsten: Eingängige Chöre, niedlich trappelnde Sternchen, mutig singende Krieger (strahlend: der Tenor Georg Poplutz als Herold) wohin man blickt und dies alles gewürzt mit einer Prise Gluck'scher Dramatik und rhythmisch wie harmonisch pikantem Exotismus. Die Mütter aller beteiligten Künstler können stolz sein.

Carsten Niemann, 13.02.2009



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