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Karol Szymanowski, Benjamin Britten

Violinkonzerte

Frank Peter Zimmermann, Warschauer Philharmoniker, Antoni Wit, Schwedisches Radio-Sinfonieorchester, Manfred Honeck

Sony Classical/Sony BMG 88697 43999-2
(76 Min., 9/2006 und 5/2007) 1 CD

Eigentlich schön, mal wieder eine CD in der Hand zu haben, wo die Komponisten auf dem Cover größer geschrieben werden als der Interpret. Jedoch wäre es in diesem Fall auch andersherum gerechtfertig gewesen. Denn dem famosen Geiger Frank Peter Zimmermann gelingt das Kunststück, Werke und ihre Autoren besser dastehen zu lassen, als man es von der Schriftform eigentlich erwarten durfte. Dem zweiten Violinkonzert Karol Szymanowskis verleiht Zimmermann sogar einen Hauch von Würde. Die Selbstbesoffenheit, mit der der Pole anno 1933 Restbestände aus Spätromantik, Impressionismus und Folklore zusammennäht, der ganze Plüsch, der sich zum Finale hin in bedrohlicher Höhe auftürmt, ohne je überzeugende Gestalt anzunehmen – irgendwie hat das was, wenn Zimmermann dabei ist. Mit ungeheurer Geschmeidigkeit bewegt er sich durch die laszive Instrumentation, gelenkig und athletisch, durchbohrt auch die massigsten Akkorde mit einem Ton, der sich in Stärke und Umriss der Situation ganz individuell anpasst.
Wie weiland der große Jascha Heifetz, so ist Zimmermann in solcher Bestform mit der Gabe gesegnet, dank der erhabenen Eleganz und Strahlkraft seines Spiels das schnödeste Umfeld noch zu adeln. Auch Benjamin Britten profitiert davon. Drei Jahre nach Szymanowski unternahm er den geistesverwandten Versuch, sich mit einem virtuosen Violinkonzert aus dem Salon heraus an der bedrohlichen Moderne vorbeizudrücken. Ravel, Sibelius und Schostakowitsch sollten ihm beistehen, der Plan misslang. Doch Zimmermann weckt Verständnis für solches Scheitern, rettet ganz unsentimental viel von der Schönheit, die jedem Kitsch ja zumindest als Hoffnung innewohnt. Am ertragreichsten ist die Auseinandersetzung mit Szymanowskis substanziellem ersten Violinkonzert, wo das Changieren zwischen den Stilen eine faszinierende Eigendynamik freisetzt. Zimmermann folgt dem fiebrigen Kurvenverlauf nervös-gespannt und hoch konzentriert, die Intensität und dynamische Reichweite seiner Phrasierung hält zusammen, was allenthalben zu bersten droht. Bleibt in aller Kürze lediglich hinzuzufügen, dass Zimmermann bei seinen Exkursionen durch Nippes und Kunst von den Warschauer Philharmonikern unter Antoni Wit und dem von Manfred Honeck dirigierten Schwedischen Rundfunk-Sinfonieorchester sehr zuverlässig flankiert wird.

Raoul Mörchen, 05.02.2009



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