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Johannes Brahms

Ein Deutsches Requiem op. 45

Siri Karoline Thornhill, Klaus Mertens, Bremer Domchor, Kammer Sinfonie Bremen, Wolfgang Helbich

MDG Gold/Naxos MDG 334 1137-2
(63 Min., 4/2001) 1 CD

Schon über ein Vierteljahrhundert lang leitet Wolfgang Helbich den traditionsbewussten Bremer Domchor, und er hat mit ihm wohl alles erreicht, was mit einem Laienensemble zu erreichen ist. Ein eindrucksvoller Beleg für die Qualität seiner chorerzieherischen Arbeit ist die vorliegende Einspielung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms, aufgenommen am Ort seiner Uraufführung: Brahms selbst hob seine Trauermusik "nach Worten der Heiligen Schrift" am Karfreitag des Jahres 1868 in der Bremer St. Petri-Domkirche aus der Taufe.
Bei der Zusammenstellung der Bibeltexte hatte Brahms nicht auf die im katholischen Requiem traditionell stark gewichteten Schrecken des Jüngsten Gerichts verzichtet, sondern darüber hinaus auch den deutlichen Hinweis auf die Erlösungstat Christi vermieden, wodurch trotz biblischer Texte der Kernpunkt des christlichen Glaubens vernachlässigt wird. Was bleibt, ist eine Auseinandersetzung mit dem Tod aus religiös geprägter menschlicher Sicht, die Vergänglichkeit, Trauer, Trost und schließlich auch die Auferstehung und den Sieg über Tod und Hölle behandelt, ohne jedoch explizit die Ursache der Erlösung zu benennen. Schönheit und Ausdrucksstärke kennzeichnen hingegen die vielfältige musikalische Gestalt des Requiems, was wohl dazu beigetragen hat, dass die angedeuteten Fragwürdigkeiten auf textlicher Ebene während der ganzen Rezeptionsgeschichte eine nachgeordnete Rolle spielten, obwohl sie immer wieder bemerkt und angesprochen wurden.
Helbich führt nicht nur seinen Chor zu einer beachtlichen Leistung - nur einige Profi-Ensembles wie etwa der Bayerische Rundfunkchor in der Sawallisch-Aufnahme (Orfeo) oder der Schwedische Rundfunkchor in Abbados Produktion (Deutsche Grammophon) liefern Leistungen ab, bei denen rein stimmliche Perfektion und Ausdruck sich noch mehr die Wage halten -, sondern entlockt auch dem Orchesterpart immer wieder Nuancen, die die kompositorische Struktur in ungewohnter Weise beleuchten. Nur bedingt geglückt ist ihm allerdings die Wahl der Solisten: Klaus Mertens bewältigt seine Partie bravourös und differenziert, bleibt aber hinsichtlich der erforderlichen Kraft des Stimmmaterials eher an der unteren Grenze. Siri Karoline Thornhill wurde möglicherweise wegen ihres knaben- oder engelhaften Timbres ausgewählt, klingt aber insgesamt doch zu mager und zu dünn, um die großen Bögen ihres schwierigen Solos wirklich mit Leben zu füllen.

, 26.04.2003



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