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Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss, Max von Schillings u.a.

Minne, Mord und Meuchelei – Schaurige Melodramen der Romantik

Thomas Rübenacker, Katrin Düringer

Ars Produktion/Note 1 ARS 38482
(79 Min., 4/2005, 7/2006) 1 CD

Glücklich der Redaktör, der – wie ich – Thomas Rübenacker zum Autor hat. Er ist ein Mann der Musik und der Sprache. Wie er mit ihren Klängen und Anklängen, mit ihrem Sinn und ihrer Sinnlichkeit jongliert, wie er sie dreht und wendet, dass man kaum hinterherkommt, wie er wie ein Kind mit ihr spielt und experimentiert, ist selten geworden unter den deutschen Musikjournalisten. Er steht darin in der großen Tradition eines E. T. A. Hoffmann, Robert Schumann oder eines "Monsieur Croche" alias Claude Debussy. Kein Wunder also, dass ihn der SWR, für den er als Moderator literarisch-musikalischer Sendungen arbeitet, zum Sprecher für einen Reigen schauriger Melodramen erkor. Das Konzertmelodram, also jene etwas in Vergessenheit geratene Form, bei der zu Musikbegleitung deklamiert wird, erlebte im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine kurze Blütezeit. Die CD versammelt bekanntere Stücke und Werke, die selbst der Kenner noch nie gehört hat. Für uns heutige klingt in jener merkwürdigen Zwittergattung immer ein wenig Stummfilmpathos mit. Wer ein Melodram vorträgt, kommt an solcher Emphase nicht vorbei – auch unser Rezitator nicht. Freilich gebietet Rübenacker nicht über die artifiziell ausziselierte Sprache eines professionellen Schauspielers. Seine Rezitation kommt dafür als ein wahres Naturereignis daher und bringt eine Musikalität mit, von der die meisten Schauspieler nur träumen können. Einen Schritt über die Grenzlinie ins Kitschige und Lächerliche tut Thomas Rübenacker nie. Am beeindruckendsten gibt er den sterbenden Klosterbruder aus Max von Schillings "Hexenlied" und den betrunkenen Totengräber aus Wilhelm Kienzls "Totenlicht": Ersterer lässt auf dem Sterbebett in Gedanken alle Keuschheit fahren in wollüstiger Erinnerung an eine schöne "Hexe", die er in seiner Jugend nicht vor dem Flammentod bewahrte. Letzterer haucht von bösen Visionen bedrängt im Vollrausch auf dem Kirchhof sein Lebenslichtlein aus. Menschen und Schicksale: Wer Thomas Rübenacker kennt, weiß, es sind seine Themen – wie unser Sprecher hier liebt und leidet, lallt und lacht, greint und grölt, winselt und wienert – das ist schon beinahe Burgtheater-reif.

Markus Kettner, 21.01.2009



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