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Johannes Brahms

Klaviersonaten Nrn. 1 und 2, Scherzo op. 4

Lars Vogt

EMI 5 57392 2
(70 Min., 12/2001) 1 CD

Seinen guten Ruf als Brahms-Interpret festigt Lars Vogt mit der Einspielung der ersten beiden Klaviersonaten und des Scherzos op. 4 (die dritte Sonate und die Balladen liegen bereits vor - siehe Rezension). Sachlich und unsentimental geht Vogt ans Frühwerk, und das konsequent auch dort, wo andere ins Schwelgen kommen: Gleich die ersten Akkorde der Sonate Nr. 1 - die eigentlich die als zweite komponierte ist - sind schnörkellos und fast kurzatmig in die Tasten geworfen. Und wie um diese Sachlichkeit zu betonen, ist der Klang dieser CD und seines Instruments hell, immer wieder spitzig und kühl, also durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn man Brahms' Bild als behäbiger Rauschebartträger auf die Musik zu übertragen gewohnt ist.
Dass die Musik trotz dieser Kühle nicht kalt lässt, liegt natürlich zu einem guten Teil an ihr selbst. Denn auch wenn es sich um Werke eines noch nicht Zwanzigjährigen handelt, das Grüblerische und Dunkle, aber auch die Ironie, die an Altersweisheit erinnert, und die schwungvolle Beweglichkeit sind bei diesem früh Gereiften schon vorhanden. So kommt nach dem angesprochenen Beginn der Sonate Nr. 1 ein versponnener, zweiter Themenkomplex, den Vogt ganz zart und sich nahezu verlierend intoniert, genauso wie das Andante dieser Sonate.
Hier erkennt man Vogts Begabung, als weitgehend neutraler Interpret aufzutreten, die Musik in einer quasi reinen Form zu vermitteln, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Der Hörer glaubt sich auf diese Weise dem Komponisten näher, das Materielle des Werkes rückt ganz in die Aufmerksamkeit des Zuhörers.
Spielt Vogt etwa nur das, was in den Noten steht? Mitnichten, denn das wäre letztlich ganz seelenlos. Und so steckt bei ihm die Seele im nahezu verborgenen, doch ausgefeilten Detail aber auch in der gesamten Konzeption, die sich auf Ausgeglichenheit in Tempo, Dynamik und Phrasierung stützt. Dieses Konzept ist sicher nur eines von vielen möglichen, bestimmt aber ein zutiefst berechtigtes.

Matthias Reisner, 12.12.2002



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