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Florence Foster Jenkins – A World of Her Own

Donald Collup

VAI/Codaex VAI 4431
(89 Min., 2007) 1 DVD

Sie ist zweifellos eine der berühmtesten Sängerinnen der Welt – und wie alle echten Diven hat sie ihr Geheimnis. Die Rede ist von Florence Foster Jenkins (1868-1944), die mit ihren in jeder Hinsicht schrillen Aufnahmen und Auftritten ein Massenpublikum zu ungläubigem Staunen, aber auch überlegenem Gelächter provozierte. Trotz ihrer immensen Popularität und einer Vita, die bereits Stoff zu zwei Theaterstücken lieferte, ist es schwer, an belastbare Informationen über das Privatleben der Sängerin zu kommen, die mit einem scheinbar unerschütterlichen Selbstbewusstsein gesegnet war: Meist trifft man auf Legenden, die oft auch noch in einem maliziösen Ton erzählt werden. Mit diesem Übelstand räumt Donald Collups Dokumentation endlich auf. Grafisch eher unaufwendig und leider ohne deutsche Untertitel, aber äußerst sachlich, fair und mit einer Fülle an Augenzeugenberichten, Zeitungsartikeln und bisher unbekannten Fotos zeichnet er das Leben der Diva nach.
So erfahren wir von frühen Auftritten als Pianistin, die sie im Kindesalter sogar bis ins Weiße Haus führten, wir erleben ihren Durchsetzungswillen in Beziehungsfragen (der ihr die zeitweilige Enterbung durch den Vater einbrachte), wir werden Zeugen ihrer skurrilen aber innigen Beziehung zum gescheiterten Schauspieler St. Clair Bayfield und wir werden in das skurrile Universum einflussreicher New Yorker Frauenklubs eingeführt, in dem Foster Jenkins erblühte – jenseits einer kritischen Öffentlichkeit, aber in verhängnisvoller Nähe zu großen und kleinen Künstlern, die auf die Protektion der von Musik besessenen Dame nicht verzichten zu können glaubten. Auch das tragische Ende des beispiellosen Triumphs von Foster Jenkins Musikliebe über die Wirklichkeit wird uns nicht vorenthalten: Wenige Tage nach der Lektüre der hier endlich einmal unzensiert wiedergegebenen Zeitungskritiken zu ihrem Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall erlitt die musikalische Grenzgängerin einen Herzinfarkt.

Carsten Niemann, 05.01.2009



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