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Four Colours

Wolfgang Schlüter-Quartet

Skip Records/Soulfood SKP 9081
(66 Min., 10/2007) 1 CD

Wolfgang Schlüter, geboren am 12. November 1933 in Berlin, ist einer der Urväter des deutschen Jazz. Im Alltag ist der fast blinde Musiker auf Hilfe angewiesen. Doch kaum steht er am Vibrafon, ist von all den Schwierigkeiten nichts zu spüren. Er nimmt die Schlegel in die Hand, er spielt los – und dies mit so viel Spiellust und Freude, dass sich die Wärme und Herzlichkeit seines Spiels unmittelbar auf das Publikum übertragen. So war es auch beim Konzert vom 5. Oktober 2007 bei den Hamburger Jazztagen vom einleitenden "Yes I’ve Met Miss Jones", einer augenzwinkernd vergnüglichen Auseinandersetzung mit Bebop-Floskeln durch den Senior und seine jeweils etwa halb so alten Partner, den Pianisten Boris Netsvetaev, den Bassisten Philipp Steen und den Schlagzeuger Kai Bussenius, bis zum "Reunion Blues". Die Besetzung entspricht zwar der des Modern Jazz Quartet, doch mit dem ausgezirkelten, oft fast steifen Swing der Amerikaner hat die Hamburger Band selbst in deren Wiedervereinigungsnummer nichts im Sinn, und so swingt selbst der "Reunion Blues" unbefangener als das Original. Überhaupt lassen die sechs Titel etwas spüren, was bei den meisten Platten inzwischen zugunsten ausgefeilter Studioproduktionen ins Hintertreffen geriet: Jenen freien Geist der Sessions, bei dem sich Soli locker aneinanderreihen und aus der Kommunikation bestens eingespielter Partner jeden Abend etwas Frisches, Neues entsteht.
Diese Atmosphäre durchweht auch die übrigen vier Titel, das bebopische "Minority" von Gigi Gryce, das von aufbauenden Breaks geprägte "Recuerdos de Pollensa" aus Schlüters Feder sowie die Klassiker "It Might As Well Be Spring" und das feurige "Cherokee". Eigentlich ist es seltsam, dass kaum Platten des mittlerweile 75-Jährigen lieferbar sind. "Four Colours" ist ein wunderbares Zeugnis dafür, wie zeitlos swingender Jazz letztendlich ist.

Werner Stiefele, 05.01.2009



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