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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Johannes Brahms

Sinfonien Nr. 2 und Nr. 4

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Willem Mengelberg

Teldec Legacy/Warner Classics 0927 42662 2
(77 Min., 11/1938, 4/1940) 1 CD

Der Romantiker zeigt sich bei ihm im Detail: In subtilen Temposchwankungen im Andante moderato der vierten Brahms-Sinfonie genauso wie im fortgesetzten Verschleifen von Streicherintervallen, die manchmal schon nach Glissando klingen.
Willem Mengelberg (1871 bis 1951), der Dirigent, der durch jahrelange Kleinarbeit aus dem relativ unbedeutenden Amsterdamer Concertgebouw-Orchester ein Ensemble von Weltgeltung machte, tritt hier in zwei historischen Aufnahmen, wieder veröffentlicht in der verdienstvollen Serie "Telefunken Legacy", erneut ins Bewusstsein. Zahlreiche Einspielungen mit Mengelberg entstanden für Telefunken, Brahms zweite Sinfonie wurde 1940, die vierte 1938 eingespielt.
Romantische Details hin oder her, man erkennt durch diese Aufnahmen Mengelbergs Bedeutung und seine Haltung, die sich neben der Expressivität genauso durch ein konsequentes Voranschreiten in der Dirigierkunst auszeichnet. Das zeigt seine erstaunliche, an einigen Stellen ganz flexible Orchesterbeherrschung. Es wird berichtet, dass Mengelberg den Takt wie seine kleinen Rhythmusschwankungen und eigenwillige Phrasierungen sehr genau vorgab, und so ist es gut zu verfolgen, wie die Musiker hier Details hervorheben und seltene Rubati ausspielen, die man in anderen Aufnahmen noch nie gehört hat.
Das Schöne aber ist, dass solche Details das Gesamtbild nicht überformen, sondern es bereichern, dass Mengelberg letztlich einen klassizistischen Duktus vorgibt, durchaus nicht so impulsiv aufbrechend, wie wir ihn bei Furtwänglers Brahms-Aufnahmen finden, sondern gemessen, ja gemäßigt, klarsichtig und melodiös. Das gilt besonders auch für die allgemein etwas vernachlässigte zweite Sinfonie, deren lyrischer Charakter Mengelberg vielleicht besonders nahe gelegen hat. Und es ist eine Freude, aus mehr als sechzig Jahren Distanz die Vitalität zu spüren, mit der die vierte Sinfonie damals eingespielt wurde.
Die CD ist sehr arm an Nebengeräuschen, dabei wirkt das Klangbild durchaus nicht beschnitten oder eingeengt. Eine musikalisch sehr ansprechende und interessante Wiederveröffentlichung.

Matthias Reisner, 18.07.2002



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