Responsive image

Profumo di Violetta

Gianluigi Trovesi

ECM/Universal 1773124
(61 Min., 9/2006) 1 CD

Der italienische Klarinettist und Saxofonist Gianluigi Trovesi ist einer der wichtigsten Musiker des neuen Jazz in Europa. Selbst in den wildesten Free-Jazz-Zeiten hat er die Poesie des Melodischen nie verraten und hat sich immer auf die musikalische Tradition seiner umbrischen Wurzeln bezogen. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Trovesi der Oper, dieser ganz großen Musiktradition seiner Heimat zuwenden würde. Jetzt hat er es gewissermaßen autobiografisch mit einer Dream-Formation getan. In seiner Kindheit war er von der lokalen banda – also einer im italienischen Sozialgefüge so wichtigen Blaskapelle – begeistert, und natürlich spielten in deren Repertoire Opernhits eine eminente Rolle. Für sein Projekt hat sich Trovesi mit einer Blaskapelle der Sonderklasse zusammengetan, mit Savino Acquavivas Filarmonica Mousiké, einem großen philharmonischen Blasorchester aus 50 Bläsern jeglicher Blech- und Holzgattung und fünf Schlagwerkern. Ergänzend zu diesem Klangkörper brachte Trovesi sein eigenes Trio ein mit einem Jazzschlagzeuger und einem Cellisten; letzterer sorgte – auch mit Samples – für rare, aber wichtige Streicherklänge.
Das Werk ist thematisch nach großen Gefühlen wie "Das Spiel der Verführung", "Der Verliebte" oder auch "Die Eifersucht" gegliedert und spannt den Bogen von Monteverdi bis Mascagni. Die Filarmonica ist ständig im Einsatz; die Themen der Opern werden breit angespielt, und in Zwischenspielen vor Orchesterhintergrund kommentiert und verarbeitet dann Trovesi dieses Material in sinnlich melodischer Rauschhaftigkeit. Das Werk verleugnet keineswegs seine bewusste Gemachtheit und weiß um die Nähe der großen Gefühle zu hollywoodesker Ästhetik, doch die ist hier klar italienisch vererdet – aber mögen muss man’s schon.

Thomas Fitterling, 27.12.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top