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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Franz Schubert

An mein Herz (Matthias Goerne Schubert Edition Teil 2)

Matthias Goerne, Helmut Deutsch, Eric Schneider

harmonia mundi HMC 902004.05
(124 Min., 10/2007, 1/2008) 2 CDs

Matthias Goernes Schubert Teil 2 – ein ehrgeiziges, opulent aufgemachtes Projekt nimmt seinen Lauf. Persönliche Liededitionen gönnte die Plattenindustrie ihren Stars ansonsten eher in der Vergangenheit, vor allem der Lied-Trias Fischer-Dieskau, Prey und Schreier. Insofern ist es eigentlich lobens-, ja bejubelnswert, dass harmonia mundi dem Kunstliedgesang (womöglich zu Recht!) noch genügend Zugkraft beimisst, um ein solches Unternehmen zu starten. Die Aufmachung ist tadellos: ansprechend das Äußere, intelligent die Liedauswahl, beinahe poetisch der Beihefttext von Christophe Ghristi.
Und Matthias Goerne? Eigentlich mag man als Kritiker gar nicht mehr davon anfangen, weil es schon so oft gesagt wurde: Er hat diesen gewissen Edelknödel, das lässt sich einfach nicht leugnen – und das hat sich seit den Neunzigern nicht verändert. Nun ist seine Stimme als solche freilich sehr schön: Ein reiches, sattes Material, mit dem Goerne sowohl samtig zu schmeicheln als auch dunkel zu Dräuen versteht. Zwar stört die Festigkeit der Zunge auch die reine Klangentfaltung immer wieder sehr deutlich (so etwa besonders bei Spitzentönen, im Piano der oberen Lage und auch im kräftigeren Zugriff auf das Brustregister), aber bei alleiniger Konzentration auf das Timbre erlebt man mit Goernes Gesang sehr viel Schönes. Problematischer ist, dass die Unfreiheit in der Stimmproduktion Goerne auch beim Artikulieren zu stören scheint. Da bietet er vom wundervollen "Lied im Grünen" erfreulicherweise sämtliche acht musikalisch leicht variierenden Strophen (selbst Fischer-Dieskau pflegte hier zu kürzen), bringt es aber keineswegs zu einer deklamatorischen Nuancierung, die dieses Wagnis rechtfertigen könnte. Und was böte dieser reizende Text für exzellente Differenzierungsmöglichkeiten! Einmal auf das Problem aufmerksam geworden, findet es der Hörer im gesamten Programm: Goerne gestaltet fast ausschließlich mit Klangfarben; seine Deklamation hingegen ist oft geradezu schlampig: Er verschleift Worte miteinander, verschluckt wichtige Konsonanten, vermischt Vokale zu einem Einheitsbrei: In der Tiefe sind sie alle dunkel, in der Höhe alle hell. Man höre diesbezüglich "Über Wildemann"! Im Grunde ist dies geradezu ein Ärger erregender Befund: Wie kann man, gerade bei Schubert, die Ebene des Wortes so vernachlässigen?

Michael Wersin, 19.12.2008



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