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55/21

Musica Nuda

Blue Note/EMI 213 773-2
(55 Min., 2/2008 - 4/2008) 1 CD

Oft gebiert der Zufall die aufregendsten Ereignisse. Das italienische Duo Musica Nuda ist so ein Ereignis. Die Sängerin Petra Magoni hat mit einem Gitarristen ein Duo gegründet, doch kurz vor der ersten Tour erkrankte dieser, und als Last-minute-Aushilfe sprang Ferruccio Spinetti ein – kein Gitarrist oder Pianist etwa, sondern ein Virtuose des Kontrabasses. Schon im ersten, noch weitgehend rein improvisierten Konzert wurde der Auftritt dieser ungewöhnlichen Besetzung zum veritablen Ereignis. Es ist schon sehr lange her, dass die seltenen Duos des Bassisten Arild Andersen mit den Sängerinnen Karin Krog oder Sheila Jordan für einen ganz besonders spannungsreichen Gänsehauteffekt sorgten. Auch Musica Nuda kann mit diesem Hörerlebnis aufwarten, doch die beiden jungen Italiener sind voll der Energie des mediterranen Lichtes, und ihr bevorzugter Ausdruck sind der leichtfüßige Tanz, die humorvollen Volten auf dem Tieftoninstrument und in der hohen Singstimme, die sich zudem lustvoll einer in allen Geschwindigkeiten vollendet artikulierten Muttersprache bedient.
Die 17 Songs auf dieser launig betitelten CD entstammen zumeist dem italienischen und französischen Song- bzw. Chansonrepertoire, aber auch Material von Ray Noble und George Harrison wird mit eigenwilliger Werktreue interpretiert. Fröhliche Stilmischung ist ausgelassenes Programm. Petra Magoni ist Chanteuse und Cantatrice, ist Jazzsängerin und eben ganz vital sie selbst, nichts wirkt da manieriert oder aufgesetzt. Für Abwechslung sorgen nach den puristisch ganz auf Kontrabass und Stimme reduzierten Titeln die Nummern, die mit Overdubs arbeiten und auch Gastmusiker einbeziehen – allen voran Magonis Ehemann am Klavier, und der ist kein Geringerer als Stefano Bollani. "55/21" von Musica Nuda ist ein Ereignis!

Thomas Fitterling, 19.12.2008



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