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Live At Jazzwerkstatt Peitz

Conny Bauer, Gianluigi Trovesi u.a.

Jazzwerkstatt/Codaex JW 032
(57 Min., 9/1981) 1 CD

Eine kleine Stadt in Brandenburg in der Nähe der polnischen Grenze war einst der Nabel der frei improvisierten Musik in Deutschlands Osten. In einem alten Kino in Peitz organisierte Ulli Blobel seine Jazzwerkstatt-Konzertreihe, die schon bald ein Ort der intensiv publikumsbezogenen musikalischen Begegnung in Freiheit geworden war. Dieser Ort entwickelte bald eine Magie über den Osten hinaus, da die Meister des neuen Jazz in der DDR aufgrund ihrer spezifischen musikalischen Sozialisation schon zu einer spezifisch europäischen und dabei ironisch gebrochen bodenständigen freien Musiksprache gefunden hatten. Ihre westlichen Kollegen – noch lange mit dem befreienden Kaputtspielen der Dominanz ihrer amerikanischen Vorbilder beschäftigt – suchten zunehmend Orientierung in der Begegnung mit dem Osten. Eine der musikalisch bewegendsten fand vor 27 Jahren statt. Der ostdeutsche Meisterposaunist Conny Bauer spielte im Duo mit dem italienischen Saxofonisten und Klarinettisten Gianluigi Trovesi.
Auf der vorliegenden CD ist nachzuhören, wie nahezu atemberaubend sich der ursprünglich von der mitteleuropäischen Kirchenmusiktradition geprägte Bauer und der mit der Volksmusik seiner Heimat Bergamo aufgewachsene Trovesi auf Augenhöhe verstehen, sich die sprudelnden musikalischen Einfälle zuspielen und simultan aus ihnen ein oft pointillistisch anmutendes, immer dichter werdendes, vielfarbig leuchtendes Geflecht wirken. 29 Minuten dauerte die in drei Teile gegliederte Duodarbietung. Im gleichen Konzert trat auch das Duo des britischen Schlagzeugers Tony Oxley mit dem ostdeutschen Sopransaxofonisten Dietmar Diesner auf. Spontan entstand die Idee, beide Duobesetzungen zusammenzuführen. Das Ergebnis ist ebenfalls auf dieser CD festgehalten. Es handelt sich um 28 Minuten High-Energy-Kollektiv-Powerplay, das sehr stark an Wuppertaler Töne erinnert – und durchzuhören erhebliche Hörenergie erfordert. Das neue Label Jazzwerkstatt, das unter der Leitung Ulli Blobels in Berlin fortführt, wofür Peitz einmal stand, erfüllt damit Chronistenpflicht, ermöglicht relativierendes Hören des Gesamtauftritts von Bauer/Trovesi, dessen erster Teil eine Sternstunde war.

Thomas Fitterling, 05.12.2008



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