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Franz Schubert

Sonate D 959, Moments musicaux D 780

Martin Helmchen

Pentatone/Codaex PTC 5186329
(67 Min., 10/2007) 1 CD

Das Rätsel wird uns überdauern. Schuberts Klaviersonaten in c-Moll, A-Dur und B-Dur, seine drei letzten, sämtlich entstanden im Todesjahr 1828, bergen eine solche Fülle an Deutungsmöglichkeiten, dass man geneigt ist zu verzweifeln. Man kann aber auch den Rat der Weisen einholen und sich auf ihre Sagungen verlassen. Im Booklet der Neueinspielung durch den aufstrebenden Pianisten Martin Helmchen etwa wird Peter Gülke zitiert, wahrlich ein kundiger Mann von hohem Geist. Gülke sieht die drei letzten Sonaten als "Situationsbeschreibung des Komponierens nach Beethovens Tod". Eine raffinierte Lesart, entzieht sie sich nämlich dem nahenden Tod des Komponisten Schubert und damit der fest gefügten psychogrammatischen Zuschreibung. Komponieren nach Beethovens Tod, das mussten viele. Außerdem wissen wir, dass Schubert einen eigenen Weg ging, der von Beethoven, wiewohl zeitidentisch, doch so weit entfernt verlief, dass direkte Einflüsse schwer nur glaubwürdig sind (auch sind sie kaum zu hören). Schubert war autark, autark wie Beethoven.
Doch wie dem auch sei: Hört man nun Helmchen die A-Dur-Sonate D 959 spielen, so vernimmt man jedenfalls kaum etwas von einer Todesahnung. Schon das aufmüpfige Hauptthema des Kopfsatzes kommt bei ihm daher wie eine Einladung zur Serenade. Und auch in der Folge spielt sich Helmchen von der Abgründigkeit des Werkes weg, so als habe er Angst, womöglich zu tief zu fallen. Alles sehr lieblich, wohl dosiert, wohl formuliert, klangschön, kurz: ausgemessen (und das auch da, wo es mal laut oder gar ruppig wird; das Abgründige war nie eine Frage der Dynamik). Aber genau das ist Schubert nie gewesen: ausgemessen. Immer war da etwas Störendes, wenn auch gewissermaßen nur subkutan. Helmchen sieht das wohl, allein, er vermag es nicht in Klänge zu transformieren. Sein Schubert geht dahin (was in den sechs Moments musicaux noch angehen mag). Er wankt nicht. Er zweifelt. Aber er versinkt nicht in diesem Zweifel. Wir hingegen haben aus eben diesem Grund Zweifel, ob Schubert zu diesem Zeitpunkt der richtige Gesprächspartner für den jungen Mann gewesen ist. Und hoffen auf eine spätere, dann intensivere Begegnung.

Tom Persich, 28.11.2008



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