Zu den bestrickendsten Opernaufführungen der letzten Jahre gehört Sasha Waltz’ als Wassertanztheater in ein Aquarium getauchte Inszenierung von "Dido and Aeneas". Ursprünglich in Luxembourg produziert, sorgte Purcells einzige echte Oper, als Tanzabend präsentiert, für Furore. Dies lässt sich auf der von Peter Schönhofer geschickt gefilmten DVD begeisternd nachvollziehen. Der Prolog im Wasser, ein kostbar illuminierter Fries, lässt die antiken Motive in erotische Bewegung geraten. Die Modenschau von Karthago, männliche Hexen und ein auf seinem Menschenwagen einher fahrender, falscher Merkur, ebenso die in ihrem Langhaar gefangene und sterbende Dido: Dies sind glückliche Einfälle einer nur aus bewegten Bildern und menschlichen Requisiten verschränkten Barockwelt – prachtvoll und einfältig, bodenlos und bizarr.
Unter Attilio Cremonesis gelenkigem Dirigat überzeugen die musikalischen Protagonisten, allen voran das Vokalconsort und die Akademie für Alte Musik Berlin. Für die Choreographin Sasha Waltz bedeutete ihr erster Fremdgang in Richtung Oper, eine opulente Summe ihrer aus Grätsch- und Schreittänzen gewirkten, an Schnüren oder in Form von Human-Maschinen bewegten Tanzsprache zu ziehen. So edel hier alles scheint, so bruchlos gelingt der Transfer von Waltz’ in den ramponierten Berliner Sofiensaelen kreierten Tanzsprache an den Boulevard Unter den Linden. Purcells Ausnahmestellung in der Oper aber wird durch diese merkwürdige, zur Verklärung einladende Produktion bestätigt. Sie gehört mindestens auf die Longlist jener sehenswertesten Theateraufführungen, die es auf DVD gibt.

Robert Fraunholzer, 07.11.2008



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