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Road Shows Vol. 1

Sonny Rollins

Emarcy/Universal 1781561
(72 Min., 1980-2007) 1 CD

Sonny Rollins ist der letzte Überlebende der vier Saxofongiganten Coleman Hawkins, Lester Young, John Coltrane und eben Rollins selbst, die die Sprache des Tenorinstruments im Jazz definiert haben. Darüber hinaus ist er ein genialisch origineller Improvisator, dessen thematisch bestimmte und immer wieder auch ironisch gebrochene Verarbeitung des oft standardorientierten Ausgangsmaterials ihn gleichzeitig zu einem Traditionalisten und Avantgardisten macht. Auch mit 78 ist dieser Titan immer noch auf der Höhe seines Könnens und jongliert atemberaubend mit Sounds und Rhythmen – und er ist immer noch ein selbstkritischer Perfektionist.
Für das vorliegende Album hat er auf Anregung eines Fans, der über Rollins-Liveaufnahmen aus der ganzen Welt verfügt, die Höhepunkte von 27 Jahren Konzerttätigkeit zusammengestellt. Es ist unüberhörbar: Sonny Rollins' Spiel ist von ganz außerordentlicher einsamer Klasse. Deutlich ist aber auch das Dilemma von Rollins’ Bands. Meist ist der Meister von Begleitmusikern umgeben, die er auch als solche versteht und die vor allem in der Person seines E-Bassisten recht treuherzig agieren. Ebenbürtige Interaktion, die zusätzliche Funken schlägt, erwartet man meist vergebens. Was da alles möglich wäre, zeigt das letzte Stück, in dem Rollins mit dem Schlagzeuger Roy Haynes und dem Bassisten Christian McBride zusammenspielt: Endlich stillt ein adäquates Rollins-Trio für einige Minuten die wohl sonst weiterhin unerfüllt bleibende Sehnsucht der Rollins-Fans nach einer idealen Rollins-Combo mit schierem Glück. Doch wie gesagt, die Beiträge des Saxofonisten selber sind durchweg "Sonny at his best" – und angesichts dieses Genies verzeiht man alles.

Thomas Fitterling, 24.10.2008



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