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Frédéric Chopin

Etüden, Balladen

Nima Sarkechik

Zig Zag Territoires/Note 1 ZZT 080401
(71 Min., 1/2008, 2/2008) 1 CD

Sachen gibt es: Beschaut man das Cover der vorwiegenden Aufnahme, liest man den Namen des Interpreten so: Nima Sarkechik. Öffnet man die CD, nimmt das Booklet zur Hand, um zu erfahren, wer dieses junge Talent ist, ob Weib oder Mann (Letzteres ist der Fall), steht da ein anderer Name: Nima Scharkechik. Wohlan, da soll einer noch durchblicken. Aber immerhin erfahren wir, dass der Künstler 25 Jahre jung ist, bei François-Frédéric Guy und Georges Pludermacher am Pariser Conservatoire studiert und einige Wettbewerbe gewonnen hat. Das hat ihn befördert, sich gleich ans Eingemachte zu machen: Chopins Etüden op. 10, die vier Balladen, dazu eine Hommage an Chopin des französischen Komponisten Hugues Dufourt mit dem zauberhaften Titel "La ligne gravissant la chute", der wiederum auf ein Poem von Tal-Coat zurückgeht, den wir, es sei zugegeben, nicht kennen. Dazu gleich. Auch Nima S. kannten wir, wie angedeutet, nicht. Nun kennen wir ihn. Und müssen konzedieren, dass da wirklich ein enormes Talent auf Erden wandelt (Talent meint auch: Es ist noch zu schleifen, zu feilen, zu wienern). Dass er die technischen Fertigkeiten besitzt, durfte man annehmen. Dass aber sein Spiel bei Chopin sowohl in den Etüden als auch in den Balladen so ausgewogen, gleichermaßen kraftvoll wie poetisch aufgeladen ist und zum Glück nur sehr wenig von der blanken Virtuosität aufweist, die sonst gerne junge Pianisten zur Schau stellen, überrascht beim ersten Hören dann doch. Und sagt uns doch sehr zu.
Sarkechik alias Scharkechik deutet Chopin von Beethoven her kommend: als einen Komponisten, der das klassische Erbe in seine Musik hineinfließen lässt, der das Durchführungsprinzip im Grunde auf sehr engem Raum anwendet: die Zuspitzung als ein Resultat vorheriger Konfrontation. Angenehm, mit welcher Plastizität der junge Pianist dies darstellt. Die sogenannte Revolutionsetüde etwa, um nur ein Beispiel herauszugreifen, rauscht bei ihm als breiter Strom voller Leidenschaften vorbei, verliert aber nie ihre Haltung, ihre Kontur. Dennoch scheint S(ch)arkechiks Stärke mehr in den langsameren Momenten der Etüden zu liegen. Gerade in der E-Dur-Etüde finden sich Passagen, die in ihrer Innerlichkeit sehr berühren. Wohlan, das ist ein Poet. Was nicht zuletzt in Dufourts aus der (akkordischen, klangsensualistischen, introspektiven) Ruhe zum (tastenpeitschenden, ohrenbetäubenden, feurigen) Sturm und zurück gehenden Opus zu Tage tritt. Was es allerdings mit Chopin zu tun haben soll, erschloss sich uns nicht wirklich. Aber was soll´s: Es gibt Sachen, die muss man nicht begreifen. Nur anhören.

Tom Persich, 10.10.2008



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