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Johannes Brahms

Paganini-Variationen, Händel-Variationen u.a.

Egon Petri

Naxos Historical 8.110634
(59 Min., 1937-1940) 1 CD

Was heutzutage „Konzertmitschnitt“ heißt, ist meistens ein Flickenteppich aus verschiedenen Aufführungen desselben Werks, ergänzt nicht selten durch Proben-Mitschnitte. Nur sehr selten kriegen wir das Hic-et-nunc eines einzigen Abends von A bis Z.
Ganz anders diese Aufnahmen aus den späten dreißiger Jahren – Egon Petri, einer der besten und bescheidensten Pianisten des 20. Jahrhunderts (also kein Star), hatte noch keine Möglichkeit, sich nachträglich zu korrigieren. Zwar nahm er im Studio auf, aber er hätte die grausam schweren Brahms-Variationen noch mal komplett ins Wachs ritzen müssen, hätte ihm etwas nicht behagt. So entstanden im Studio Quasi-Liveaufnahmen: Einmal gespielt für die Ewigkeit.
In diesem Lichte verblüfft noch mehr die Lockerheit, die Spontaneität, das schiere Vergnügen an der rhythmischen Pointierung bei „Paganini“, während der kontrapunktische Ernst bei „Händel“ zwar näher liegt, aber nicht minder berückt. Das ist Brahms-Spiel großen Zuschnitts, dabei jedoch von einer nur scheinbar un-brahmsischen Eleganz, die nachempfinden lässt, warum Petris Lehrer Busoni, der „Liszt nach Liszt“, den Schüler so besonders förderte und mit ihm sogar Klavierduo-Tourneen unternahm.
Ein Wort zum Klang: Er wurde wieder mal mustergültig restauriert, aber wo damals kein großzügiger Aufnahmeort zur Verfügung stand (die beiden Variationen: London, Abbey Road), sondern eine muffige Besenkammer in New York (drei Rhapsodien), versagen selbst die Künste der ausgepichten Restauratoren Marina und Victor Ledin: Klingt wie Brahms per Post, müsste eigentlich Strafporto kosten.

Thomas Rübenacker, 31.05.2001



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