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Ha!

Jörg Brinkmann

Act/Edelkultur 9662-2
(52 Min.) 1 CD, 52

„Ha!?“ mag es einem entfahren angesichts des Umstands, dass dieses Album in der Reihe „Young German Jazz“ erscheint. Schließlich ist der Cellist Jörg Brinkmann mit seinen 32 Jahren eindeutig über der Jugendgrenze. Richtig ist: Die Musik des Jörg-Brinkmann-Trios ist von jugendlicher Frische und selbstverständlicher Eigenständigkeit. Nun ist ja das Cello im Jazz nicht gerade eine Erfolgsstory. Gerade im Triokontext schien seine Aufgabe oft nicht geklärt: Soll es die Rolle des abwesenden Kontrabasses übernehmen oder doch vor allem Solostimme sein? Das Brinkmann-Trio löst dieses Rollenproblem wie selbstverständlich mit den Mitteln der Komposition. Ha! ist als 18-sätzige Suite zu hören, und die meisten Titel sind kürzer als drei Minuten. Geschrieben haben sie die Triomitglieder zumeist gemeinsam.
Die drei Musiker wirken überhaupt wie eine organische Einheit: Oliver Maas beherrscht den Flügel in allen Schattierungen und entlockt dem guten alten Fender-Rhodes-E-Piano aktuelle und bassig-erdende Sounds. Schlagzeuger Dirk-Peter Kölsch versteht sich als Schlagwerker und ist als Swinger ebenso souverän wie als abstrahierender Klangpalettenvirtuose. Die meisterhafte Beherrschung des Streichinstruments steht bei Brinkmann außer Frage, jedem Stück lässt er die kongeniale Behandlung angedeihen, und die ist über Rollenspekulationen schlicht erhaben. Jeder Titel hat seine ganz eigene Farbe, Effekte werden augenzwinkernd pfiffig eingesetzt. Auch variierende Titelwiederholung ist Stilmittel des durchkonzipierten Programms, dessen Bandbreite vom stiebenden Klaviertriojazz bis zur Soundmeditation reicht. Eine ganz reife Leistung: Ha!

Thomas Fitterling, 05.09.2008



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