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Béla Bartók

Der holzgeschnitzte Prinz

Bournemouth Symphony Orchestra, Marin Alsop

Naxos 8.57 0534
(53 Min., 5/2007) 1 CD

Unverständlicherweise wird Bartóks 1917 uraufgeführtes Ballett "Der holzgeschnitzte Prinz" noch immer weit seltener aufgeführt als sein "wunderbarer Mandarin". Die knapp 55-minütige Partitur, in der sich Einflüsse von Wagners "Ring" bis zu Strawinskys "Feuervogel" entdecken lassen, ist nicht nur Bartóks raffiniertestes Orchesterwerk, sondern öffnet zwischen der freundlichen Märchenoberfläche ihrer Handlung und ihren beunruhigenden Tiefenschichten einen weiten Spielraum für Interpretationen. Marin Alsop, die mit dem "Prinzen" den dritten Teil ihrer Bartókserie bei Naxos vorlegt, hält es mehr mit der Lichtseite des Stücks: Selbst wenn die Prinzessin mit dem hölzernen Doppelgänger des Prinzen tanzt, hält sich der Gruselfaktor in Grenzen. Was an der Dirigentin ebenso liegt wie an der Tonregie. Um das Traditionsorchester als Hochglanzklangkörper zu präsentieren, favorisiert Alsop die hohen Streicher, die durch einen guten Schuss Hall noch zusätzliche Politur bekommen. Bartók strahlt. Alsops etwas an Simon Rattle erinnernder Klangoptimismus geht jedoch auf Kosten der tiefen Instrumente, in denen die Nachtseiten von Bartóks Menschenbild ihre Kontur gewinnen, vor allem die auch im "Blaubart" fortwährend präsente Frage, inwieweit menschliche Nähe nicht doch nur auf Selbsttäuschung beruht. Wer sich dieser Frage stellen will, greife besser zu den ungarischen Aufnahmen, wer den "Prinzen" als brillante Orchestermusik erleben will, ist mit dieser Aufnahme gut bedient.

Jörg Königsdorf, 23.08.2008



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