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Live

Trio Bravo+

Ozella Music OZ 019
(65 Min., 11/2005) 1 CD, SACD

Leicht machen es einem die vier Herren nicht gerade, wenn man versucht sie einem bestimmten Genre zuzuordnen. Aber in irgendwelche Schubladen wollten sich Mark Chaet, Giorgio Radoja, Sergej Sweschinskij und Adam Tomaszewski sowieso von Anfang an nie zwängen lassen. Dafür waren die Interessen des Trios (plus eins) einfach schon immer viel zu breit gefächert. So haben die vier Musiker nach ihrer "seriösen" klassischen Ausbildung unter anderem erfolgreich für Theater und Varieté gearbeitet, aber ebenso eine neue Filmmusik zu Sergej Eisensteins Klassiker "Panzerkreuzer Potemkin" beigesteuert.
Einflüsse und Erfahrungen, die jetzt auch beim neuen Live-Album des Ensembles zu spüren sind, auf dem die Trennlinien zwischen E-, U- und Weltmusik genau so selbstverständlich überschritten werden wie Landesgrenzen. Begriffe, über die man bei dieser CD aber spätestens nach zwei Tracks eh nicht mehr groß nachgrübelt. Denn dank ihres energiegeladenen Spiels und einer großen gestalterischer Gelassenheit machen diese Vollblutmusiker eigentlich jede Diskussion über Fachgrenzen und dergleichen hinfällig. Mit selbst komponierten Stücken und neu arrangierten traditionellen Melodien aus ihren Heimatländern, die den Hörer einerseits mit sanfter Melancholie zu berühren wissen aber auch beschwingt mit den Füßen wippen lassen, zeigen die Musiker emotional eine große Bandbreite. Da stehen "Chanson triste" und "Ungarische Leidenschaft" gleichberechtigt Seite an Seite und ergänzen einander sinnfällig. Wobei sich bei den virtuosen Höhenflügen von Chaets Geige durchaus schon Mal ein Hauch von Paganini einschleichen kann und auch bei seinen Kollegen das eine oder andere große Vorbild kurz über die Schulter schaut. Doch das muss ja schließlich kein Nachteil sein.

Tobias Hell, 15.08.2008



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