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Friedrich Nietzsche

Sämtliche Werke für Klavier solo

Michael Krücker

NCA/harmonia mundi NCA 60189
(79 Min., 10/2007) 1 CD, NCA/harmonia mundi NCA 60189

Friedrich Nietzsche hatte zweifellos Recht: Ohne Musik ist das Leben "einfach ein Irrthum, eine Strapaze, ein Exil". Nicht gar so schwer ist allerdings ein Leben ohne Nietzsche Musik auszuhalten. Eine bedauerliche Tatsache, an der wohl auch die vorliegende Edition seiner sämtlichen Kompositionen für zweihändiges Klavier nichts ändern wird. Zwar hatte der Philosoph, der seit Schulzeiten komponierte und Klavier spielte, durchaus musikalisches Talent. Dennoch gelang es dem begabten Amateur weder, sich von seinen deutlich durchscheinenden Vorbildern Beethoven, Chopin, Schumann oder Liszt zu lösen, noch seine musikalischen Gedanken in eine zwingende Form zu gießen. Am besten aber ist Nietzsche dort, wo er einem Vorbild und einem vorgegebenen Formschema folgt – so beispielsweise in seiner eingängigen, von Chopin inspirierten Mazurka. An den großen experimentellen Formen scheiterte er jedoch: Sein knapp 20-minütiger "Hymnus an die Freundschaft" wird nur mühsam durch einen Refrain zusammengehalten, während er die missglückte Architektur seiner noch zu Schülerzeiten entstandenen sinfonischen Dichtung "Ermanarich" unter dem wuchernden Efeu gewagter Modulationen zu verdecken sucht. Doch wer sich wirklich für Nietzsche interessiert, dem werden solche Einwände egal sein: Die Rolle, die die Musik in Nietzsches Denken und Schreiben spielt, ist zu groß, als dass man die Chance verpassen möchte, diesen Mann aus dem intimen Blickwinkel seiner eigenen Kompositionen kennen zu lernen. Es ist ein Glück für Nietzsche wie für seine Fans, dass dieses Kennenlernen im Beisein von Michael Krücker stattfindet.

Carsten Niemann, 15.08.2008



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