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History, Mystery

Bill Frisell

Nonesuch/Warner 7559799437
(90 Min., 11/2006, 5/2007) 2 CDs

Der Gitarrist Bill Frisell ist ein Meister der mystischen Klänge. Zu Beginn seiner Karriere hat er die Dynamik der Töne per Volume-Pedal auffällig umgedreht; inzwischen setzt er diese Technik wesentlich zurückhaltender und dadurch um ein vielfaches effektvoller ein. Auch scheint die Phase vorüber zu sein, in der er offensiv seine Wurzeln in der Countrymusik herausstellte: Sie sind auf der Doppel-CD zwar weiterhin zu spüren, aber nur ein Element unter vielen. Sein Oktett, in dem Kornett, Tenorsaxofon und Klarinette sowie Violine, Viola und Elektrocello, Bass und Schlagzeug neben dem Bandleader den Klang prägen, wartet mit einer eigenwilligen Kammermusik auf. In ihr begegnen sich die Genres. Im Niemandsland zwischen Jazz und Ernster Musik bewegen sich die Stücke, mal bewegt, mal fast statisch, mal bluesbetont, mal vom Country beeinflusst. Dabei fügen sich Einzelstücke aus verschiedenen Auftragsarbeiten zu einem abwechslungsreichen Reigen. Ein Teil der Stücke stammt aus "Mysterio Simpatico", einem im Juni 2002 uraufgeführten Multimedia-Dialog zwischen Frisell und dem in Seattle wohnenden Künstler und Comic-Autor Jim Woodring, dem mehrteiligen "Probability Cloud", das seine Premiere im Januar 2006 in der Zankel Hall in New York City hatte und den "Stories From the Heart of the Land", die Mai 2007 für das Public Radio aufgenommen wurden. Fast unmerklich integriert die Band in den Reigen von Frisells eigenen Kompositionen "Baba Drame" des malinesischen Gitarristen Boubacar Traore, "A Change Is Come" von Sam Cooke", "Jackie-ing" von Thelonious Monk und "Sub-Concious Lee" von Lee Konitz. Bei der überwiegend im November 2006 live mitgeschnittenen Doppel-CD ist nicht erkennbar, für welches Werk der betreffende Abschnitt ursprünglich geschrieben wurde; die Einzelteile fügen sich im Gesamtverlauf nach einer eigens für die CD entwickelten, rundum schlüssigen Dramaturgie zusammen. Dabei fällt "Part Two", die zweite, mit 37 Minuten kürzere CD etwas aggressiver als aus "Part One".

Werner Stiefele, 17.07.2008



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