Responsive image
Iannis Xenakis, Darius Milhaud u.a.

Percussion(s)

Roland Auzet

Mode/SunnyMoon MODE 189
(225 Min., 7/2007) 3 CDs, inkl. Buch in Englisch und Französisch

Um sich angemessen darzustellen, hat der 1964 geborene Schlagzeuger Roland Auzet schwere Geschütze aufgefahren: Drei CDs, eine DVD und ein Buch mit langen Interviews und einem gelehrten Essay im dicken Schuber, gewissermaßen als Rezital, Portfolio und Nachlass "ante mortem" in einem. Schon der theoretische Flankenschutz, den der Musikwissenschaftler Pierre Albert Castanet seinem französischen Landsmann in Form einer umfangreichen Studie zur jüngeren Schlagzeuggeschichte gibt, lässt es sich im eigenen Metier materialreich gut gehen: Castanet gelingt es, auf einer halben Seite Vorwort Verweise auf Nietzsche, Boethius, Günter Grass und Heidegger zu verstauen. 100 Seiten weiter ist dann auch der hinterste Winkel des Abendlandes hell erleuchtet. Respekt. Allein Auzets Repertoire ist alles andere als enzyklopädisch und konzentriert sich auf Komponisten mit Wohnsitz Frankreich. Viele davon muss man nicht gehört haben, einige schon. Vor allem natürlich Iannis Xenakis, von dem Auzet vier zentrale Werke auf seine Best-of-Liste gesetzt hat, das archaische "Psappha" zum Beispiel und das späte, irritierend knappe "Omega" von 1997. Allenfalls kurios dagegen das neoklassizistische, gleichwohl erst 1952 entstandene Kammerkonzert von Darius Milhaud für Marimba und neun Instrumente, von dem hier offenbar die erste Einspielung vorliegt. Zwischen diesen beiden Extremen geht es mal munter, mal weniger munter auf und ab, doch es geht nie weit weg. Auzet, keine Frage, ist ein fulminanter Musiker, sein Spiel kraftvoll und sensibel nuanciert, klar und übersichtlich. Doppelt schade daher um die verpassten Chancen, die instrumentalen wie medialen. Schlagzeug gibt’s ja auch außerhalb Frankreichs. Sagt man.

Raoul Mörchen, 04.07.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten von Johannes Brahms, dass er sich aus notorischem Selbstzweifel mit manchen Gattungen seiner Zeit so schwer getan hat. Andererseits war dadurch auch seine Kreativität herausgefordert, eigene Wege zu beschreiten. Am 18. Februar 1869, also vor fast genau 150 Jahren, wurde nach langen Umstellungen und Ergänzungen sein „Deutsches Requiem“ uraufgeführt. Erst auf den zweiten Blick offenbart das Werk, das dem 33-jährigen den Durchbruch verschaffte und bis […] mehr »


Top