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Deep Lee

Lee Konitz

Enja/Soulfood ENJ 9517
(60 Min., 9/2007) 1 CD

Knapp vor seinem 80. Geburtstag ging der am 13. Oktober 1927 geborene Altsaxofonist Lee Konitz zwei Tage mit "Minsarah", einem Pianotrio, ins Studio "Systems Two" in Brooklyn. Entstanden ist eine Platte, die wie im Brennglas einige wichtige Stationen aus Konitz musikalischer Lebensgeschichte zusammenfasst – von schön gestalteten, melancholischen Balladen bis zu orientierungslosen Improvi-sationen. Konitz, der 1949 im Ensemble des Pianisten Lennie Tristano mit "Intuition" und "Digression" zwei der frühesten Free-Improvisationen der Jazzgeschichte aufgenommen hat, lässt sich 2007 in "See the World for the First Time" mit dem Trio treiben. Andererseits atmen die Sätze "Invention", "Chorale" und "Canon" der "Three Part Suite" jenen Geist der coolen, fein ziselierten Kompositionen, die ihn in den 1950ern gegenüber seinen Zeitgenossen abhob. Hier musiziert er konzentriert mit dem Pianisten Florian Weber, dem Bassisten Jeff Denson und dem Schlagzeuger Ziv Ravitz, während das Trio in "Deep Lee" und "As the Smoke Clears" abschweift und zudem Konitz‘ Solo zunächst Unsicher-heiten spüren lässt, bevor es an Kraft und Linie gewinnt. In den folgenden Titeln, darunter "Stella by Starlight" nimmt sich Konitz die gelegentliche Freiheit zum wenig konzentrierten, die Band manchmal auch überraschenden Mäandern mit brüchigem Ton, während er seine Themenvariationen in "Cactus" über einer zurückhaltenden Begleitung sehr fokussiert angeht. Das Album hat starke Momente, aber auch viel Leerlauf.

Werner Stiefele, 27.06.2008



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