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Hugo Distler

Cembalokonzert op. 14, Schauspielmusik zu "Ritter Blaubart" von Ludwig Tieck

Huguette Dreyfus, Deutsche Bachsolisten, Martin Stephani, Katharina Wingen, Stefan Livland, Neubrandenburger Philharmonie, Stefan Malzew

Musicaphon/Klassik Center M56860
(60 Min., 1964], 9/2002 ) 1 CD

Hugo Distler – ein Theaterkomponist? Ambitionen hatte der Mann dazu durchaus, auch wenn er heute fast ausschließlich als Erneuerer der protestantischen Kirchenmusik bekannt ist. Doch die politischen Verhältnisse verhinderten die Aufführung seiner einzigen realisierten Bühnenmusik, die für die Silvesternacht des Jahres 1940 am Berliner Schillertheater vorgesehen war. Regisseur Jürgen Fehling, der das Märchenstück um den Ritter mit den Leichen im Keller inszenieren sollte, hatte den politischen Rückhalt verloren und kündigte; zwei Jahre später nahm sich der junge Komponist das Leben. Dank dieses Livemitschnitts kann man nun die über 60 Jahre verspätete Uraufführung der Musik durch die Neubrandenburger Philharmonie erleben. Ein Epoche machendes Werk sind die vier kurzen Ouvertüren, drei Lieder sowie Kriegsmusik und Tanzfinale sicher nicht: Die Nähe Hindemiths ist hörbar, die Instrumentation noch schlichter, wenngleich Distler, der deutlich von der Orgel kommt, durch die Hinzufügung eines Cembalos reizvolle Akzente setzt. Hört man die Musik vor dem Hintergrund der Umstände, unter denen sie entstand (sie werden im Beiheft recht ausführlich dargestellt), erweist sie sich jedoch mit ihrer Dramaturgie zwischen den Zeilen als ein bewegendes Dokument. Ein Schlüssel dazu ist das Lied "Ei, du feiner Reiter", das von einem kriegslüsternen Verführer handelt. Es durchzieht nicht nur die Bühnenmusik: Es wird auch im Schlusssatz von Distlers bekanntestem Instrumentalwerk variiert, dem ebenfalls auf der CD zu hörenden Cembalokonzert: Am Ende verweigert sich der Solist, die Melodie aufzugreifen und ergeht sich in wütenden Figurationen, die von der damaligen Presse auch prompt als "entartet" gebrandmarkt wurden. Huguette Dreyfus bietet das Werk in der hier zum Surroundklang remasterten Einspielung von 1964 mit beeindruckendem Furor da. Aus Gründen der stilistischen Geschlossenheit hätten die unter Stefan Malzew souverän und mit warmem, homogenem Klang aufspielenden Neubrandenburger den Versuch durchaus wagen sollen, neben der Bühnenmusik auch dieses Hauptwerk Distlers selbst zu präsentieren.

Carsten Niemann, 13.06.2008



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