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Alone Together

Tim Hagans

Pirouet/Medienvertrieb Heinzelmann PIT 3030
(53 Min., 11/2006) 1 CD

Was für ein Trompeter! Tim Hagans, geboren am 19. August 1954, ist wahrlich kein Junger mehr – und doch blieb der großartige Virtuose bis heute ein Geheimtipp. Dabei ist in seinem Ton lebendig, was in der Trompetengeschichte gut und wichtig war. Dabei kopiert er nicht, lässt sich jedoch nach-vollziehbar inspirieren. So macht er sich in "Stella by Starlight" den melancholischen Trompetenton Miles Davis‘ zu eigen, und in "Sweet Peach Tree" erinnert die raue Energie, mit der er in sein Horn stößt, an Freddie Hubbards beste Tage. In "See You Again" orientiert sich Hagans’ Quartett zwar an der Stilistik des letzten akustischen Miles Davis Quintetts aus den 1960er mit Wayne Shorter, Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams – aber auch hier ist es weit entfernt von einer Stilkopie, denn Hagans improvisiert mit längerem Atem als Miles, und die Rhythmusgruppe entwickelt eine eigene, knackig pulsierende Kraft. Wie das Quartett im folgenden "Not Even the Rain" einen magischen Puls aufbaut, hat mit Miles‘ Quintett nicht mehr das Geringste zu tun. Hier spielen eher das romantische Kunstlied und die pianistische Begleitung von Chansons herein – aber nur im oberflächlichen Gestus, denn das Quartett swingt vom ersten bis zum letzten Ton. Beim Standard "You Don’t Know What Love Is" sind Hagans und Copland zu einem intimen Dialog zusammen. Nur dezent mischen sich Gress und Rückert ein: Liebe ist eine Angelegenheit für zwei, und in der Ballade "Alone Together" ist Marc Cop-land für die feinen Pianotupfer zuständig, und Drew Gress und Jochen Rückert sorgen für den nervös swingenden Puls, über dem Hagans Trompetenlinien rau und souverän schweben. Bei allen Bezügen auf die Vergangenheit verdeutlicht dieses Quartett, dass die Entwicklung auch im swingenden Jazz nicht stehen bleibt. Die Veränderungen und Neuerungen sind allerdings so gering, dass sie beim ersten Hören kaum auffallen.

Werner Stiefele, 23.05.2008



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