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Art Of The Duo/Walking In The Wind

François Jeanneau, Uli Lenz

Tutu/Fenn Music 888 226
(71 Min., 12/2005) 1 CD

Immer wieder werden sie geschmäht, die Musikerzusammenstellungen, die nicht auf die Beteiligten selber, sondern auf Produzenten oder Veranstalter zurückgehen, und doch verdankt der Jazz einige seiner spannendsten Aufnahmen just dem Umstand, dass der Einsatz von Dritten es Musikern ermöglicht, ihre gewohnten Bahnen zu verlassen und unerwartet Neues zu erproben. Das Duo des französischen Altmeisters des modernen Saxofonspiels François Jeanneau und seines 16 Jahre jüngeren Pianistenpartners Uli Lenz verdankt seine Existenz dem Goethe-Institut in Pakistan, das für eine Tournee des deutschen Klaviervirtuosen einen adäquaten französischen Partner suchte. Und was wohl beide Musiker so nicht erwartet hatten wurde Wirklichkeit, ein Duo ist entstanden, das bei aller Unterschiedlichkeit in seiner Dichte und gegenseitigen Durchdringung an das einzigartige Steve Lacy/Mal Waldron-Trio erinnert. Jeannau spielt in dieser Formation ausschließlich das Sopraninstrument. Noch vor Coltrane und Lacy hörte er in seiner Jugend auf Sidney Bechet, und so ist sein Spiel bei aller New-Jazz-Erfahrung zuallererst von einer eleganten, klaren melodischen Linienführung bestimmt. Uli Lenz, oft auch ein Powerplayer mit unverhohlener Bewunderung für McCoy Tyner und Elvin Jones, ist gleichberechtigter virtuoser Partner und sensibel rhythmisch und harmonisch unterfütternder Begleiter. Im Berliner A-Trane hat das Deutschlandradio das Duo vor gut zwei Jahren bei einem Auftritt belauscht. Ein hinreißendes Rezital hat es da eingefangen, bei dem die Spannung über die ganze Dauer des Konzertes nicht einbricht und bei dem die Subtilitäten des Dialogs dem Publikum – wie auf dieser CD beeindruckend nachzuhören – die Sprache verschlagen haben. Das ist wahrlich „Art of the Duo“.

Thomas Fitterling, 09.05.2008



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