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Distances

Norma Winstone

ECM/Universal 175 4923
(52 Min., 4/2007) 1 CD

Norma Winstone ist eine Grande Dame der europäischen New-Jazz-Szene. In den 70er und 80er Jahren bildete sie zusammen mit dem lyrischen Trompeter Kenny Wheeler und dem Pianisten John Taylor das Trio Azimuth und setzte Standards für eine linear offene Musik in Vokalisten/Instrumentalisten-Minimalbesetzung. Dabei nahm Norma Winstone mit ihrer kristallinen, klaren Stimme schon in Vollendung vorweg, was heute als nordisches Sängerinnenwunder fast schon säuselnd inflationären Charakter hat. Die Leistung Winstones wird inzwischen um so deutlicher, da die Sängerin sich von abstrakten Vokalisen immer mehr entfernt und sich der Gestaltung von Texten zugewandt hat: So kommt zu ihrem unverwechselbaren Timbre noch die typisch helle britische Aussprache. Nun hat sie mit dem italienischen Pianisten Glauco Venier und dem deutschen Bassklarinettisten und Sopransaxofonisten Klaus Gesing wieder zu einer offenen Triobesetzung zurückgefunden und für ECM ein zutiefst elegisches Album eingespielt. Für Glauco Venier und Klaus Gesing ist die oft apostrophierte Durchdringung von klassischem Erbe und jazzorientierter Improvisationssensibilität nicht einfach PR-Spruch sondern gelebte Musikalität; diskret nehmen sie sich in ihrem Spiel sich gegenseitig durchdringender Linien diskret hinter Winstones Stimme zurück, ganz im Sinne des Dienstes an der Liedgestaltung. Zehn fragil schöne, elegische Miniaturen sind so entstanden, deren Mehrzahl von den Instrumentalisten komponiert und von der Sängerin getextet wurde. Besonders bewegend allerdings gelang die gute alte Cole-Porter-Ballade "Every Time We Say Goodbye". Der einzige Einwand, der bei diesem Programm zu machen wäre, ist, dass selbst bei Musikern dieser Meisterschaft eine knappe Stunde des Schlürfens von Melancholie zu einer Überdosis führen kann.

Thomas Fitterling, 25.04.2008



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