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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



Der Sänger steht hüfthoch in der Meeresgischt und lächelt selig. Rolando Villazon geht es wieder gut, soll das Booklet suggerieren, schließlich besingt die titelgebende Arie aus Amilcare Ponchiellis Oper "La Gioconda" auch Himmel und Meer. Tatsächlich werden die Freunde vollsüffigen Tenorgesangs rundum bedient vom ersten Soloalbum des Mexikaners. Allerdings entstanden die Aufnahmen bereits im Frühjahr 2007 in Mailand, also noch vor der Stimmkrise, die zur monatelangen Zwangspause führte. Die eigenwillig gebildeten Spitzentöne erinnern stark an das Vorbild Plácido Domingo, die Tongebung ist strahlend und einnehmend, mit Verve stürzt Villazon sich in die emotionalen Ausnahmezustände der zum größten Teil wenig bekannten Arien. Allerdings drängt sich bald der Eindruck auf, als habe ein Produktionsteam im Arienalbum gezielt nach lange nicht mehr eingespielten Titeln gesucht, die Villazon dann mit recht eintönigem Dauerespressivo zwar singt, doch wenig gestaltet. Zumal er seine Stimme immer unter leichtem Druck hält und nie frei laufen lässt. Wenigstens überanstrengt er in dieser Auswahl seine Stimme nicht, wie in einigen Bühnenrollen, mit denen er sich offenbar dauerhaft Schaden zugefügt hat. Zwischen frühem 19. und 20. Jahrhundert macht er stilistisch kaum einen Unterschied, Donizetti, Verdi und der Puccinizeitgenosse Giuseppe Pietri klingen bei Villazon verblüffend ähnlich. Am besten funktioniert das noch in den Verdiarien aus "Simone Boccanegra" und "Luisa Miller", doch auch hier muss er die Spitzentöne mitunter wenig elegant ansteuern. Neugier auf die kompletten Opern "Il figliuol prodigo" von Ponchielli oder "Fosca" von Antonio Gomes macht dieses Rezital allerdings nur sehr bedingt. Zumal wenn die Begleitung so unauffällig routiniert ausfällt wie bei dem Dirigenten Daniele Callegari, der das Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi allenfalls koordiniert. Bedeutende Kunst entsteht so nicht, aber das ganze Projekt ist wohl eher als Marketingartikel für die zahllosen Fans des als unbekümmerten Sunnyboy vermarkteten Sängers gemeint. Ärgerlich sind allerdings die Duette mit dem indiskutabel singenden Bariton Gianluca Alfano. Hier bestätigt sich der Eindruck eines flott zusammengestoppelten Produkts, das mit einer schönen Stimme nochmal schnell Kasse machen soll.

Uwe Friedrich, 11.04.2008



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