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Blue Note - A Story Of Modern Jaz

Diverse

EuroArts/Naxos 2005678
(91 Min.) 1 DVD

Das Label Blue Note steht im allgemeinen Bewusstsein für die klassische Zeit des schwarzen modernen Jazz schlechthin. Als vor zehn Jahren Julian Benedikts Dokumentarfilm über das legendäre Label im Fernsehen lief, war die Begeisterung überschwänglich. In sie mischte sich auch der Stolz darauf, dass einem Deutschen im Verbund mit dem öffentlich rechtlichen Fernsehen diese Würdigung eines uramerikanischen Phänomens gelungen war – und schließlich wurde diese Würdigung auch als eine Geste der Wiedergutmachung an den beiden Berliner jüdischen Emigranten Alfred Lion und Francis Wolff empfunden. Lion hatte das Label 1939 gegründet und mit seinem engen Freund Wolff bis 1965 umgetrieben. Lion war die musikalische Instanz – sprichwörtlich ist sein Ausspruch: "It must schwing!" – und der Fotograf Wolff kreierte mit dem Grafikdesigner Reid Miles die stilbildenden Covers. Von 1947 bis 1960 war Blue Note ein Synonym für den Sound und das Erscheinungsbild des aktuellen schwarzen Jazz. Dass es längst nicht das einzige Jazzlabel war und einige bedeutende Musiker gar nicht oder nur vereinzelt dort vertreten sind, ist ein anderer Teil der Wahrheit, ein Aspekt, der in Benedikts Film kaum thematisiert wird. Ein weiterer Punkt ist die Drogenproblematik. Die ganze Generation der Hard-Bopper hatte mit ihr zu tun, die Labels agierten hier in einem besonderen Spannungsfeld. Nichts davon kommt im Film zur Sprache; vorherrschend ist die Jazzapologetik aus dem Geiste eines Joachim-Ernst Behrendt. Richtig störend aber ist ein spezifisch filmischer Punkt: Vor zehn Jahren war der Eingeweihte glücklich, in schneller Folge alle seine Heroen von einst im Bild zu erkennen. Jetzt wirken das erste Filmdrittel mit seiner hektischen, assoziativ a-chronologischen Schnittfolge, die Konzertschnipsel mit zerhackten Musikerstatements zu einem Potpourri kollagiert, wie ein verwirrender Trailer zum Film – der auch später nie richtig zur Ruhe kommt. Es darf bezweifelt werden, dass epocheferne Betrachter heute diese Story stringent nachvollziehen können. Dennoch: Für den Initiierten ist der Film nach wie vor ein Riesenerlebnis.

Thomas Fitterling, 11.04.2008



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