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A Time For Everything

Yaron Herman

Laborie/Indigo LJ04
(66 Min., 1/2007, 2/2007) 1 CD

Er ist ein Überflieger, der aus Tel Aviv stammende 26-jährige Pianist Yaron Herman. Als 16-Jähriger gibt er wegen eines Sportunfalls seine Basketballkarriere auf und stürzt sich aufs Klavier, mit 18 studiert er bereits an der legendären Berklee School in Boston, doch das Rat Race dort misshagt ihm. Auf dem Weg zurück in die Heimat macht er einen Zwischenstopp in Paris und begeistert bei einer Jamsession die Kollegen. Die lassen ihn nicht ziehen, binnen Kurzem verzaubert er auch das Publikum mit seinem frischen Ansatz, das Bebop-Bewusstsein und Zeitgeist unverkrampft im improvisierten Spiel vereint, das er als Real-Time-Komponieren versteht. Ein Solo-Album entsteht. Die Kulturstiftung La Borie bei Limoges ist nun zu erwähnen. Die förderte Herman nachhaltig. Auch bei der Entstehung des Trio-Albums, das Herman jetzt vorlegt, spielte diese Stiftung eine wichtige Rolle. Nicht nur dass es auf ihrem Label erscheint, sondern sie gab Herman und den Amerikanern Matt Brewer und Gerald Cleaver an Bass und Schlagzeug ausführlich Gelegenheit miteinander zu proben. Ein von Energie berstendes Album großer Geschlossenheit ist so entstanden. Pfiffig vertrackte Arrangements und kühne, aber stets geerdete Improvisationen durchdringen sich. Immer wieder denkt man an e.s.t. – auch bei den diskreten elektronischen Zuspielungen – doch die Hermänner haben einen deutlich amerikanischen Drive und die gewisse transatlantische Leichtigkeit, die sich eines Materials von Björk, Britney Spears oder Sting ebenso vergnüglich bemächtigt wie dem von Skrjabinminiaturen, israelischen Vorlagen oder Hermanoriginals. Vielleicht ist noch nicht alles optimal fokussiert, doch welch ein Potential steckt in dieser Band!

Thomas Fitterling, 14.03.2008



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