home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Responsive image
Sergei Rachmaninow

Cellosonate g-Moll, Lieder, Stücke

Mischa Maisky, Sergio Tiempo

DG/Universal 477 7235
(67 Min., 2005-2006) 1 CD

Dass Künstler eitel seien, ist eine Binsenweisheit. Spätestens aber, wenn sie ihr Instrument zur Hand nehmen, müsste die Eitelkeit von ihnen abfallen: Man spielt nicht deshalb raschere Doppelgriff-Oktaven, weil man sich für den Größten hält. Der russische Cellist Mischa Maisky aber bringt selbst dieses Kunststück fertig: Er spielt sogar eitel. Das lässt sich vorab schon an der Programmwahl dingfest machen. Wenn Maisky "Lieder ohne Worte" spielt, ist es nicht das eine, das Mendelssohn für das Cello schrieb, noch sind es jene nur für Klavier (denen ja in der Tat kein Text beigegeben ist). Es sind Lieder von Schubert, Schumann, Brahms, deren gut die Hälfte hervorragende Texte hat, von Möchtegern-Schreibern wie Goethe, Schiller, Eichendorff oder Heine, aber Mischa Maisky sagt: Alles Schall und Rauch, entscheidend ist nur mein berückender Celloton. Inzwischen warten wir gespannt auf Beethovens Neunte als "Lied ohne Worte".
Dabei ist Maiskys Celloton gar nicht mal so berückend – und hier kommt das eitle Spiel zum Zug. Dass er einen Hang zum Knödeln hat, wäre so schlimm nicht (Rostropowitsch war der Oberknödler). Aber bei Maisky ist es ein selbstverliebtes Nachdrücken, den Klang bis über die Neige hinaus auskosten wollend, das im Bunde mit agogisch-dynamischen Manieriertheiten zumindest den Cellisten sich mit Grausen wenden lässt. Auf dieser neuen CD mit Werken Rachmaninows (die allerdings glänzend begleitet sind von Sergio Tiempo) bietet Maisky, neben der frühen g-Moll-Sonate, wieder fünf Lieder, deren Text er kurzerhand für verzichtbar erklärt. Des Komponisten Schwermut wird als Einheitssoße gereicht, alles klingt irgendwie gleich, in Aufschwungsemphase wie in nachtschwarzer Verzweiflung. Rachmaninow ist auch gar nicht so wichtig, es geht einzig um Mischa Maisky. Warum macht der Mann nicht mal etwas Vernünftiges? Zum Beispiel Diktator von Usbekistan …?

Thomas Rübenacker, 22.02.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top