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Little Things Run The World

Ben Allison

Palmetto/Al!ve 2131
(53 Min., 8/2007) 1 CD

Ben Allison wechselt seine Bands wie andere ihre Unterhosen, könnte man meinen. Nach den Gruppen Peace Pipe, Medicine Wheel, Kush Trio und Herbie Nichols Project etabliert Allison nun für sein achtes Album eine neue Formation mit dem Namen Man Size Safe. Aber: der Wechsel hat Methode.
Einem Duke Ellington ähnlich, lässt sich der Bassist beim Schreiben seiner Kompositionen vom individuellen Ausdruck seiner Mitmusiker inspirieren. Momentan, so scheint es, erfüllen der Trompeter Ron Horton und der Gitarrist Steve Cardenas am ehesten Allisons Vorstellung von einem Stil, der Jazz, Rock, Folk und Americana schlüssig bündelt. Beide waren schon beim in den USA viel beachteten Vorgänger "Cowboy Justice" dabei, auf "Little Things Run the World" stoßen jetzt der Drummer Michael Sarin und der Saxofonist Michael Blake dazu. Sie geben dem Gemisch, in dem Trompete und Gitarre wie zwei coole Duellanten die Themen vortragen, das spezielle Gewürz. Sarin mit seinem staubtrockenen, schleppenden Schlagzeugspiel, Blake mit seinen intensiven Soli.
Allisons Stücke haben es in sich. Meisterhaft spielen sie mit Stimmungen, Tempi und Überlappungen. In "Four Folk Songs" etwa treffen ein Afrogroove und eine Balkanmelodie aufeinander (das spätere Trompetensolo kommt einem, ohne dass man sich noch groß wunderte, spanisch vor), "Language of Love" feiert die Entdeckung der Langsamkeit, "Roll Credits" klingt wie geschaffen für einen Cowboy, der müde-melancholisch in den Sonnenuntergang trabt (wenn sich nur ein Pferd fände, das im 5/8-Takt traben kann). Gewitzter Höhepunkt der Aufnahme: John Lennons "Jealous Guy" in einer Country-Funk-Version. Großartig.

Josef Engels, 16.02.2008



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