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Edvard Grieg

Klavierkonzert a-Moll op. 16

Olli Mustonen, San Francisco Symphony Orchestra, Herbert Blomstedt

Decca 444 518-2
(1993) Komponiert: 1868, Uraufführung: 1869 in Kopenhagen

Oft findet sich Griegs Klavierkonzert auf CD mit Schumanns oder Chopins Gattungsbeiträgen gekoppelt. Dabei waren beide ein Grund für die unterkühlte Aufnahme, die das Werk nach seiner Kopenhagener Uraufführung in Deutschland erfuhr: man schalt es ein Plagiat, das Schumann und Chopin nachahme. Natürlich gibt es Verwandtschaften - Grieg selbst sah sich immer als Anhänger der deutschen Romantik; allerdings ringt er nicht wie Schumann um Formprinzipien, sondern konzipierte eher eine rhapsodisch angelegte "Fantasie für Klavier und Orchester". Längst ist Griegs frühes Werk als eigenständig anerkannt, ja als "Reißer" allbekannt. Um dieses Klischee zu bestätigen, kann man Krystian Zimermans und Karajans brillante, ja süffige Einspielung stellvertretend für etliche andere anführen.
Dass es auch anders geht und dass selbst dieser "Reißer" noch "Unerhörtes" bereithält, zeigen Olli Mustonen und Herbert Blomstedt. Beide korrespondieren wunderbar miteinander, wie an den Rubati und den von Grieg häufig vorgenommenen Tempowechseln zu hören ist. Vor allem liegt ihnen das skandinavische Kolorit, der norwegisch-melancholische Tonfall am Herzen. Dass diese zart-versponnenen, versonnen-träumerischen Phrasen zu keinem Kitsch verkommen, ist vor allem Mustonens Detailversessenheit zu danken. Fast jede Phrase versieht er mit ausgeklügelten Betonungen und Phrasierungen. Kontrastreich zeichnet er mit Staccati und Legato-Bögen die Gegensätze des gnomenhaft Tänzerischen und Lyrischen. (Allenfalls Van Cliburn - in der leider vergriffenen Einspielung mit Eugene Ormandy - widmet sich ähnlich rhythmisch genau Griegs kniffligen Tempoangaben.) Ebenbürtig passt dazu Blomstedts luzide Orchesterhandhabung: Fast jede Stimme lässt sich mühelos verfolgen, ohne dass der großen Gestik etwas genommen würde.

Christoph Braun, 01.12.1999



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