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George Gershwin

Rhapsody In Blue

George Gershwin, Columbia Jazz Band, Michael Tilson Thomas

Sony SB2K 64349
(1976) Komponiert: 1924, Uraufführung: 1924 in New York

Ahnungslos schlug George Gershwin 1924 die "New York Times" auf und fand dort die Ankündigung eines Konzerts mit dem Titel "Was ist amerikanische Musik?" Dreiundzwanzig Werke sollten in diesem Rahmen vorgestellt werden - darunter eine neue Komposition von ihm, von der er aber noch nichts wusste! Manche sagen, dass der Initiator der Veranstaltung, Paul Whiteman, Gershwin mit der Zeitungsmeldung überrumpelt habe; andere behaupten, dass Gershwin seine Mitwirkung zunächst zugesagt, dann aber vergessen habe. In aller Eile komponierte Gershwin seine "Rhapsody in Blue". Sie wurde ein Welterfolg.
Bei den vielen Aufnahmen stellt sich die Gretchenfrage: Soll das Stück wie jazziger Liszt oder wie ein klassischer Oscar Peterson klingen? Probleme ergeben sich auch bei der Orchestrierung. Um 1924 war Gershwin noch ein Musicalkomponist, der wenig Erfahrung mit dem klassischen Orchester besaß; er war auf also die Erfahrung von anderen Komponisten angewiesen. So entstanden verschiedene Fassungen.
1925 hat Gershwin den Solopart bereits auf einer Klavierrolle verewigt. Etwa ein halbes Jahrhundert später kombinierte Michael Tilson Thomas dieses Dokument mit einer transparenten Jazz-Band-Version. Das Ergebnis ist überraschend: Gershwin war ein manischer Tempotreiber mit irrwitzigen virtuosen Fähigkeiten. Seine Akkorde stampfen, seine rhythmische Intensität erinnert mitunter an eine Dampfmaschine. Die begleitende Band peitscht mit wohldosierten, aber eindringlichen Effekten das Ganze so massiv voran, dass man an die Musik Strawinskis und Antheils erinnert wird. Wie in keiner anderen Aufnahme findet sich so unmittelbar das Lebensgefühl des modernen Amerika.

Oliver Buslau, 01.12.1999



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