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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Hans Werner Henze

Boulevard Solitude

Laura Aikin, Pär Lindskog, Orchester des Liceu Barcelona, Zoltán Peskó

EuroArts/Naxos 2056358
(102 Min., 3/2007) 1 DVD

Unter den großen Opernhäusern Europas ist das Liceu in Barcelona vermutlich das geschäftstüchtigste. Statt selbst zu produzieren, kaufen sich die Katalanen lieber bewährte Produktionen anderer Theater ein und vermarkten sie anschließend auch noch auf DVD – das schnörkelige Liceu-L prangt inzwischen beispielsweise auf Konwitschnys "Lohengrin" und auf Olivier Tambosis weltweit herumgereichter "Jenufa". Das Aufwärmen etliche Jahre nach der Premiere tut den Produktionen allerdings nicht immer besonders gut, und auch Hans Werner Henzes Anfang der 50er Jahre entstandene Manon-Version "Boulevard Solitude" wirkt auf der Liceu-DVD nicht so überzeugend wie offenbar sechs Jahre zuvor an Covent Garden. Was weniger an Nikolaus Lehnhoffs handwerklich souveräner, überwiegend realistisch erzählender Inszenierung liegt: Die Bahnhofshalle, die Lehnhoff als Leitmotiv seiner Inszenierung nutzt, funktioniert gut als Ort für die einander beständig verfehlenden Sehnsüchte der Menschen – ein Wartesaal enttäuschter Hoffnungen. Problematisch ist dagegen vor allem die Besetzung der Hauptrollen. Von der Londoner Premiere ist nur noch Pär Lindskog als armer Student Armand dabei, der zwar den frustrierten Liebenden gegen Ende glaubwürdig darstellen kann, jedoch nur über wenig jugendlichen Schmelz verfügt. Auch der Amerikanerin Laura Aikin nimmt man das kokette Mädel Manon nicht recht ab – in ihren engen Fifties-Corsagen wirkt Aikin eher wie eine Puffmutter und setzt ihren kräftigen Sopran allzu gradlinig ein.

Jörg Königsdorf, 16.11.2007



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