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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Sergei Rachmaninow

Sonate Nr. 2 b-Moll u.a.

Kateryna Titova

SonyBMG 88697 06005-2
(54 Min., 7/2007, 9/2007) 1 CD

Man muss nicht Vladimir Horowitz’ knallig-hypertrophe Einspielung von Rachmaninows zweiter Klaviersonate als Vergleich heranziehen, um zu erleben, woran es Kateryna Titovas Interpretation desselben Stücks noch fehlt; nein, es "genügt" – und dieser Vergleich ist sicher der seriösere – Bernd Glemsers Einspielung des Stücks, um zu offenbaren, dass die junge Russin noch deutlich Reifungsbedarf hat: Das differenzierte Umgehen mit den verschiedenen Ebenen des Satzes, sprich die Gewichtung von Mittelstimmen im Verein mit den Randstimmen lässt noch sehr zu wünschen übrig – das Satzbild bleibt daher vergleichsweise eindimensional und flach. Knackig-offenliegende Virtuosität als nervenkitzelndes Wagnis ist auch Titovas Sache nicht, wenngleich das technische Rüstzeug der jungen Dame ja wahrlich kein schlechtes ist. Wahrscheinlich fehlen ihr eher noch Fantasie und Erfahrung – und auch Humor, wie spätestens die Darbietung der launigen "Polka V. R." belegt: Den hintergründigen Witz dieses im Privat-Familiären urständenden Stücks bringt Rachmaninow selbst in seiner eigenen Aufnahme so perfekt zur Geltung, das Frau Titovas für sich genommen zweifellos recht anständige Version dagegen leider verblassen muss. Blässe – das ist in der Tat ein Hauptproblem dieses ambitionierten Debüts unter renommiertem Label. Aber dabei muss es angesichts guter bis sehr guter Anlagen ja nicht bleiben; schade nur, dass junge Talente wie dieses immer wieder dazu ermuntert werden, ihr Pulver zu früh zu verschießen. Haben die Labels denn so wenige ausgewachsene Künstler in der Kartei?

Michael Wersin, 01.02.2008



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