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Giacomo Puccini

Turandot

Joan Sutherland, Luciano Pavarotti, Montserrat Caballé, Nicolai Ghiaurov u.a., John Alldis Choir, London Philharmonic Orchestra, Zubin Mehta

Decca 414 274-2
(1972) Komponiert: 1920-24, Uraufführung: 1926 in Mailand

"Hier endet das Werk des Meisters". Mit diesen Worten legte der Dirigent Arturo Toscanini am 25. April 1926 den Taktstock beiseite. Giacomo Puccini hatte seine letzte Oper "Turandot" nicht mehr vollenden können. Der Kettenraucher war mit der Partitur bis kurz vor das Ende gekommen, als er seinem fortgeschrittenen Kehlkopfkrebs erlag. Immerhin waren die Skizzen des Schlusses so weit fertig, dass der Puccini-Schüler Franco Alfano dem Werk zu dem monumentalen Ende verhelfen konnte, das auch heute noch zu den faszinierendsten Teilen der Oper gehört.
"Turandot" - die einzige Puccini-Oper, deren Handlung in einer unbestimmten, märchenhaften Zeit liegt - spielt im alten Peking. Die Titelheldin ist eine grausame Prinzessin, die jeden, der um ihre Hand anhält, köpfen lässt, wenn es ihm nicht gelingt, vor dem Rat der Weisen drei Rätselfragen zu beantworten. Eines Tages macht ihr ein Prinz den Hof. Er beantwortet nicht nur die drei Fragen, sondern stellt der sich noch immer sträubenden Prinzessin seinerseits ein Rätsel: Bis zum nächsten Sonnenaufgang soll sie seinen Namen herausfinden. Wenn es ihr gelingt, will er gerne den Weg zum Schafott antreten.
Turandot hält in dieser Nacht ganz Peking wach: Keiner schlafe ("Nessun dorma"), lautet ihr Befehl an das Volk. Jeder wird befragt. Schnell findet Turandot heraus, dass der fremde Prinz nicht alleine in der Stadt ist. Sein blinder Vater Timur und die Sklavin Liù gehören zu ihm. Turandot schreckt nicht vor Folter zurück, um ihre Aufgabe zu lösen, Liù, die den Prinzen heimlich liebt, stirbt. Doch je näher der Sonnenaufgang rückt, desto mehr gelingt es dem Fremden, das Herz der eisigen Prinzessin aufzutauen. Schließlich läuft die Zeit davon. In guten Inszenierungen erhebt sich auf der Bühne unerbittlich die Sonne, während die beiden Hauptfiguren in einem ausgedehnten Duett gegeneinander ankämpfen. Am Ende verrät der Prinz selbst seinen Namen, und Turandot ist von ihrer Kälte erlöst.
Auch wenn die Arie "Nessun dorma" zu den Hits der Oper gehört, ist sie nur ein kleiner Vorgeschmack auf den überaus dramatischen Schluss, der sängerische Höchstleistungen verlangt. Die Kälte seiner Hauptfigur hat Puccini auch ins Orchester übernommen: Spitze, grelle Farben hoher und höchster Trompeten prägen seine Instrumentation und sind Hürden für die Sänger, die dagegen ansingen müssen.
Neben Joan Sutherland als Turandot ist es vor allem der Luciano Pavarotti der siebziger Jahre, der hier mit großer Lyrik, aber auch Vehemenz gegen den stählernen Gürtel seiner Erwählten ansingt. Zubin Mehta versteht "Turandot" nicht nur als italienische Oper mit Konzentration auf die Sänger, sondern er hebt auch die komplexen sinfonischen Elemente hervor - ganz im Sinne Puccinis, der in seinem letzten Werk noch einmal alle Register der Expressivität gezogen hat. So ist zum Beispiel die Rätselszene eine der spannendsten Passagen der gesamten Opernliteratur. 1998 stand Mehta - freilich mit anderen Sängern - am Pult einer "Turandot" -Gesamtaufnahme, die live in Peking vor dem Kaiserpalast entstand. Sie kann jedoch mit der älteren Einspielung nicht mithalten.

Oliver Buslau, 01.12.1999



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