Robert Schumann

Kinderszenen op. 15

Vladimir Horowitz

Sony SK 42409
(1962)



Robert Schumann

Kinderszenen op. 15

Alfred Brendel

Philips 434 732-2
(1980) Komponiert: 1838, Uraufführung: Datum unbekannt; AAD



Die "Träumerei" hat als Solostück Karriere gemacht, der Rest von Robert Schumanns "Kinderszenen" dagegen ist weit weniger bekannt. Der Titel dieses dreizehn Stücke umfassenden Zyklus täuscht: Es handelt sich hier keineswegs um Musik für Kinder, sondern um ein Werk, in dem die Kindheit aus der Sicht eines Erwachsenen gespiegelt wird. Die Reflexionen mit sprechenden Überschriften wie "Bittendes Kind", "Der Dichter spricht", "Kuriose Geschichte" oder "Von fremden Ländern und Menschen" wurde auch nicht nach einer programmatischen Grundlage komponiert, sondern erst später (von Schumann selbst) mit den Titeln versehen.
Die Musik, nicht der Inhalt, spielt die Hauptrolle in diesen knappen Erinnerungen des achtundzwanzigjährigen Komponisten, der mit seinem Opus 15 viele Nachfolger zu "Kindermusiken" inspiriert hat: Angefangen bei einer unübersehbaren Menge von kitschigen Salonstückchen bis hin zu Kompositionen von Bizet, Ravel und Debussy. Mit seinen "Kinderszenen" perfektionierte Schumann die Gattung des "Stücks". Bis dahin waren Einzelsätze meist in Zyklen aufgehoben, und man behalf sich mit Bezeichnungen wie "Bagatelle" oder "Impromptu". Die "Träumerei" gilt als Prototyp solcher kompositorisch konzentrierter und pianistisch anspruchsloser Einfachheit, die jedoch gerade deswegen so schwer zu spielen ist.
Wladimir Horowitz verbindet erzählerischen Gestus mit pianistischer Ökonomie. Manche der Stückchen – wie die donnernd auftrumpfende und dann in sich zusammenfallende "Wichtige Begebenheit" – sind ironischer wohl nie gespielt worden. Sogar der "Träumerei" gewinnt Horowitz mit eigenartiger Pedal-Verwischung etwas Zweideutiges ab: Hier träumt niemand wirklich, sondern ein Kind betrachtet sein "schlafendes" Püppchen. Ein ernsthafterer Schumann-"Erzähler" ist für mich Alfred Brendel. Vor allem seine sorgsam ausgependelte "Träumerei" ist unübertroffen.

Oliver Buslau




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