Responsive image
Maurice Ravel, Hector Berlioz

Shéhérazade, Cinq mélodies populaires grecques, Nuits d’été

Bernarda Fink, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Kent Nagano

harmonia mundi HMC 901932
(54 Min., 1/2006, 6/2006) 1 CD

Janet Bakers Referenzeinspielung der "Nuits d’été" von Berlioz unter Barbirolli bekommt zum ersten Mal wirklich eine konkurrenzfähige Interpretationsleistung zur Seite gestellt – nach 40 Jahren: Der argentinischen Mezzosopranistin Bernarda Fink gelingt es, die unvergleichlich schönen – und für eine perfekt funktionierende Stimme unendlich dankbaren – melodischen Linien des zutiefst romantisch beseelten französischen Exzentrikers mit ähnlicher Geschmeidigkeit und Eleganz zu liebkosen wie einst die Engländerin. Mehr Klarheit, Weichheit, Liebreiz, Intensität und Stringenz kann man sich kaum wünschen – allenfalls ein etwas geringeres Vibrato vielleicht hätte vielen dieser Qualitäten zu noch unbedingterer Wirksamkeit verholfen.
Im Falle von Maurice Ravels "Shéhérazade" indes gibt der Autor dieser Zeilen weiterhin der epochalen Interpretationsleistung von Janet Baker den Vorzug: Hier gelangt Bernarda Fink bei aller begeisternden interpretatorischen Prägnanz (hervorragend gestützt und inspiriert übrigens durch den von Kent Nagano und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin allerfeinst ausziselierten Orchestersatz!) nicht zu jener unnachahmlichen, verhangenen Atmosphäre von Laszivität und Erotik, wie sie Baker ebenfalls 1967 unter Barbirolli zu zelebrieren verstand. Die Einspielung von Ravels "Cinq Mélodies populaires grecques" jedoch, die dieses reizvolle Programm eröffnet, kann wiederum ganz uneingeschränkt als großartige Bereicherung des Aufnahmenkatalogs gewertet werden. Alles in allem also wieder einmal ein großes Lob für Bernarda Fink, diese so erfrischend ernsthafte, seriöse und gewissenhafte Interpretin – ein paar mehr Künstler von dieser Sorte könnten dem gegenwärtigen Kulturleben wahrlich nicht schaden.

05.08.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top