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Carl Maria von Weber

Der Freischütz

Peter Schreier, Gundula Janowitz, Theo Adam, Siegfried Vogel, Edith Mathis, Bernd Weikl, Günther Leib, Franz Crass, Sächsische Staatskapelle Dresden, Carlos Kleiber

Deutsche Grammophon 415 432-2
(1973) 2 CDs, Komponiert: 1817-20, Uraufführung: 1821 in Berlin; ADD

Auch ohne "Freikugeln", ohne von überirdischen Mächten beeinflusste Geschosse, kann man ins Schwarze treffen - wie zum Beispiel Carlos Kleiber, dessen Gesamtaufnahme des "Freischütz" aus dem Jahre 1973 bis heute unübertroffen dasteht. Dabei hatte man damals wie heute damit zu kämpfen, dass es eine perfekte Wiedergabe dieser ersten deutschen romantischen Oper gar nicht geben kann: Die altväterlichen Dialoge wirken lächerlich, auch wenn sie, wie in dieser Aufnahme, von Schauspielern gesprochen werden. Da hilft nur, diese Passagen am CD-Spieler wegzuprogrammieren.
Übrig bleibt eine packende Darstellung der Gruselgeschichte, in der Webers Kunst in Reinkultur zur Geltung kommt. Wie drohendes Unheil strömen die Streicher-Crescendi am Anfang aus den Lautsprechern, und wenn die Hörner in der Ouvertüre ihr weiches C-Dur-Thema anstimmen, dann spürt man schon in diesen wenigen Tönen, dass hinter der Idylle das Unheil wartet - bereits bevor die berühmten Tremoli einsetzen. Der brave Jägerbursche Max ist den Machenschaften des finsteren Kaspar ausgeliefert, der ihn dazu überredet, von böser Magie verwandelte Kugeln zu benutzen, um beim Wettschießen zu siegen - und damit seine geliebte Agathe zu erringen.
Man hat einst die Besetzung des Max in Kleibers Einspielung kritisiert: Peter Schreier, hieß es, sei mehr ein Lied- oder Oratoriensänger. Doch sein heller Tenor bringt den dramatischen Konflikt des von bösen Mächten umgarnten Jägerburschen für mein Empfinden sehr gekonnt zur Geltung, und das im Kontrast zu dem finsteren Theo Adam als Kaspar. Die hier zu hörende Version des berühmten "Durch die Wälder, durch die Auen" ist eine der gelungensten, die es bei einer Gesamtaufnahme gibt. Was die Interpretation aus der Biedermeier-Langeweile herausreißt, ist Kleibers Vorwärtsdrang, der jede Note des Stückes erfasst und dem Geschehen seine kosmische Komponente verleiht - immerhin haben wir es hier mit einem Kampf gegen Satan zu tun, dessen Mächte sich - ein weiterer Höhepunkt des Werks - in dem grausigen Geschehen in der Wolfsschlucht verdichten.

Oliver Buslau, 01.12.1999



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