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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Jussi Björling

verschiedene Orchester und Dirigenten, Jussi Björling

Naxos historical 8.110722
(71 Min., 1930 - 1938) 1 CD

Manche Tenöre haben sie einfach, diese berühmte "Träne" in der Stimme; der Preis dafür scheint gewöhnlich ein deutlicher Hang zu Depression und Melancholie oder auch handfestes Unglück zu sein: Fritz Wunderlichs Leben etwa steht auf geheimnisvolle Weise unter dem Stern seines frühen Unfalltodes, Nicolai Gedda hatte Dauerkummer mit misslungenen Ehen, und Jussi Björling war dem Alkohol verfallen - sein Herztod im Jahre 1960 mit 49 muss wohl im Zusammenhang mit der Suchterkrankung betrachtet werden. Stimmlich zeigte sich Björling auch in späteren Jahren immer erstaunlich wenig beeinträchtigt vom Alkoholkonsum, durch den zuallererst die empfindlichen Schleimhäute im Hals in Mitleidenschaft gezogen werden.
Naxos präsentiert im ersten Teil einer "Jussi Björling Collection" sämtliche schwedischen Opern- und Operettenaufnahmen, entstanden in den Jahren 1930-38. In Björlings Karriere ist dies der Zeitraum zwischen seinem Debüt am Stockholmer Opernhaus und dem ersten Auftritt an der New Yorker Met.
Der Hörer erlebt eine junge, kraftvolle und faszinierend metallische Stimme und muss sich lediglich damit arrangieren, dass bekannte Stücke wie Puccinis "Recondita armonia" oder Gounods "Ah, lève-toi soleil!" in Schwedisch erklingen; sie heißen "Det sköna star att finna" und "Höj dig, du klara sol!" und bieten trotz dieser sprachlichen Exotik in Björlings zupackender Interpretation alles, was das Herz von solchen Höhepunkten erwartet: strahlende Spitzentöne sowie ausdrucksstarke und leidenschaftliche Gestaltung.
Wie sicher sich Björling auch im "leichteren" Fach bewegte, zeigt er mit einigen Lehár-Schlagern, darunter auch "Dein ist mein ganzes Herz" ("Du är min hela värld"). Noch unterhaltsamer wird es dann bei zwei Stücken aus Abrahams "Blume von Hawai", die dem Gesamtduktus nach zur gepflegten Tanzmusik gehören. Björling bleibt auch in diesem Genre immer einem tiefen Ernst verpflichtet, herzhaft lachend kann man ihn sich nur schwer vorstellen - wer weiß, was ihn damals schon gequält haben mag.

Michael Wersin, 05.12.2002



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