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Diverse

Arie antiche

Ramón Vargas

RCA/BMG 09026 63913 2
(53 Min., 1/2002) 1 CD

"Liebe Musikfreunde, bevor Sie sich die vorliegende Sammlung alter Lieder und Arien anhören, würde ich Ihnen gerne kurz meine Beweggründe für die Inangriffnahme dieses Projekts erläutern." Nanu? Was, denkt man sich, kann Ramón Vargas nur verbrochen haben, dass er sich vorauseilend verteidigt? Zumal schon die ersten Töne dieses famosen Tenors voll, strahlend und weich wie Butter in den Gehörgang rinnen? Wenn ich es richtig verstanden habe, macht sich Vargas Sorgen, man könne ihm den unverholenen Genuss am eigenen Gesang und noch mehr seine romantisierende Interpretation zum Vorwurf machen.
Die Entschuldigungen sind unnötig. Denn die Sammlung der "Arie antiche" ist ein Produkt der Kunstauffassung des 19. Jahrhunderts: Man sehnte sich nach der erhabenen Einfachheit und Schlichtheit vergangener Zeiten und pickte sich einige Stücke der vergangenen Jahrhunderte heraus, die diese Idee unterstreichen sollten. Die Archive konnten den Bedarf an derart schlichten, eingängigen und dabei doch saftig harmonisierten Melodien kaum decken; man merkt es daran, dass der Herausgeber Alessandro Parisotti mindestens eines der Lieder selber im alten Stil nachkomponierte. Insofern sind Schmelz und Schluchzer, die Vargas über die Stücke ausgießt, historisch richtig. Im Dienste der erhabenen Einfalt hätte er dagegen durchaus auf manche seiner willkürlichen Verzierungen verzichten können, die zwar Lust am fessellosen Singen verraten, aber oft etwas unmotiviert bis geschwätzig wirken.
Leben könnte ich auch ohne die weichgespülte Instrumentierung der ursprünglich klavierbegleiteten Arrangements für Kammerorchester: Schmalz sollte man nicht auch noch auf Weißbrot schmieren. Im Vortrag gibt sich Vargas elegischer, ruhiger und weniger affektiert als Cecilia Bartoli, die uns die Sammlung vor einigen Jahren mit riesigem Erfolg auftischte. Bleibt nur, sich mit Vargas an den Schönheiten seiner Stimme zu freuen: dem herrlichen Brustregister, der einschmeichelnden, gesunden Tiefe, der sanft strahlenden, beweglichen und dabei immer kultivierten Höhe.

Carsten Niemann, 21.11.2002



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