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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Arien

Renata Tebaldi

Preiser Records/Naxos 89558
(71 Min., 1949 - 1952) 1 CD

Renata Tebaldi habe die Stimme eines Engels, soll Arturo Toscanini gesagt haben, der sie 1946 an die Mailänder Scala holte. Zu hören ist diese Stimme hier mit Arien aus Decca- und Fonit-Cetra-Aufnahmen aus den Jahren zwischen 1949 und 1952. Die heute achtzigjährige einstige Rivalin der Callas lebt zurückgezogen in Mailand.
Renata Tebaldis Kunst lebt vom Charakter ihrer Stimme. Diese ist von reizend rötlichen Farben. In der Tiefe gewinnt sie an Fülle und dunkleren Tönen. In der Höhe verblasst sie nicht, sondern ist ganz außergewöhnlich voll und resonant. Durch ihr brillierendes "„metallo", das dem Klang Struktur verleiht, ist ihr Ton ebenso filigran wie kräftig. Zudem verfügt sie über ein abgerundetes Klangspektrum, das nicht seinesgleichen hat. Ihre dynamischen Fähigkeiten sind ausgezeichnet: das Anschwellen und Abschwellen des Tons, die lang gesponnenen Phrasen mit halber Stimme. Dies tut sie jedoch ohne die Belcanto-Technik des Singens "in der Maske", die eine viel größere Ebenmäßigkeit und Formung des Tons und der Linien erlaubt sowie eine subtilere Artikulation der Sprachlaute. So haftet Tebaldis Stimme bei aller Empfindsamkeit immer etwas Romantisch-Naturwüchsiges an.
Mit dieser Einschränkung sind Tebaldis Interpretationen der Arien aus La Bohème ("Sì, mi chiamano Mimì" und "Donde lieta uscì"), Otello ("Ave Maria"), La Wally ("Ebben, ne andrò lontana") oder Mefistofele ("L'altra notte in fondo al mare") an vokalem Reichtum nicht zu übertreffen, besonders in diesen frühen Aufnahmen. Was ihr nicht gelingt, ist die Verschränkung von musikalischer Form und Gemeintem jenseits naturalistischer Imitation. Tebaldis Kunst ist vor allem eine dekorative. Ihr Gesang hat den Zauber einer Rose, die letztlich immer nur für ihre eigene Anmut und Schönheit steht.

Cornelia Wieschalla, 01.08.2002



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