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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Opernarien

Giuseppe Taddei

Preiser/Naxos 90502
(76 Min., 1949 - 1951) 1 CD

Der 1916 in Genua geborene Bariton Giuseppe Taddei gilt als Geheimtipp neben seinen berühmteren Altersgenossen Tito Gobbi und Gino Bechi. Die Frage ist, warum er nicht deren Popularität erreichen konnte, obwohl seine Stimmgebung makelloser ist, er über ein beachtliches Volumen verfügt, ein breiteres Repertoire beherrscht als beinahe alle seine Kollegen und seine Karriere enorm lang war?
Taddei ist der Ästhet unter den Baritonen - das beweist auch diese CD mit Auszügen aus zum überwiegenden Teil nicht greifbaren Cetra-Gesamtaufnahmen und Rundfunkübertragungen aus der Zeit zwischen 1949 und 1951. Weder ist Taddeis Ausdruck jemals übertrieben noch entbehrt sein Singen einer angemessenen Differenzierung. Besonders in schnellen Passagen verfügt er über eine äußerst klare Artikulation und Tongebung.
Anders als seine berühmteren Kollegen ist Taddei jedoch kein genuiner Ausdruckssänger. Manchmal kann man sogar eine Art Unbeteiligtheit am Inhalt seines Gesangs feststellen. So trägt Taddei Don Giovannis Arie "Deh, vieni alla finestra" ganz verinnerlicht vor, als Canzone eines Liebenden, dessen Liebe ganz in Musik sublimiert ist. Dem als Artefakt wundervollen melancholischen Grundton setzt Taddei keinerlei Ironie, kein Bewusstsein von Don Giovannis verführerischer Unverschämtheit entgegen.
Figaros Arie "Largo al factotum" aus Rossinis "Barbier" trägt Taddei mit berückender Akkuratesse vor. Im Gegensatz zu Tito Gobbi fehlen seiner Stimme jedoch die warmen Farben. Überhaupt hat Taddei wenig Sinn für eine bewusste Kolorierung. Vieles überlässt er dabei dem Zufall. Vielleicht ist er deshalb so überzeugend in den "bösen" Rollen des Jago ("Otello") und Falstaff, wo die unharmonischen Farbübergänge, die oft Klippen gleich kommen, verbunden mit seinem klaren Ton, eine starke Wirkung haben.
Hingegen ist der für den italienischen Gesang typische nachdrückliche Rhythmus, die Variationen des lebendigen Pulsierens nicht Taddeis Stärke. Das Duett "All'idea di quel metallo" aus dem "Barbier" mit Luigi Infantino als Almaviva hat etwas von der mechanischen Ästhetik interagierender Aufziehpuppen. Dabei ist Taddeis Theaterhandwerk beträchtlich, aber musikalisch wirkt er oft etwas einfallslos und glatt und ohne den Willen, interpretatorisch das Letzte aus einer Partie herauszuholen.

Cornelia Wieschalla, 11.07.2002



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