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Diverse

Heifetz Rediscovered

Jascha Heifetz, verschiedene Pianisten

RCA/BMG 09026 63907 2
(66 Min., 1922 - 1936) 1 CD

"Heifetz rediscovered", "Der wiederentdeckte Heifetz": Der Titel der CD ist vielleicht doch etwas zu reißerisch. Schließlich ist, was Jascha Heifetz zum Jahrhundertgeiger machte, mittlerweile nicht nur allgemein bekannt, sondern auch diskografisch sattsam aufgearbeitet worden.
Die Besonderheit an diesem Zusammenschnitt bislang unveröffentlichter Aufnahmen aus dem RCA-Archiv liegt indes einerseits darin, dass Heifetz den Großteil des hier Eingespielten kein zweites Mal aufgenommen hat. Hierzu zählen Griegs dritte Violinsonate und Brahms' erste Sonate (gemeinsam mit dem Pianisten Emanuel Bay) - Musterbeispiele dafür, wie Heifetz auf bislang wohl einzigartige Weise gestalterische Strenge und spieltechnischen Perfektionismus mit emotionalem Einsatz in eins zu bringen vermochte. Dabei spart sein ausdruckspraller Nachvollzug der Musik zwar mit Vibrato, scheut andererseits aber nicht vor sehr freien Tempi und vor weiträumig "angeschliffenen" (portamentierten) Tönen zurück.
Ihre spezielle Würze erhält die CD indes nicht nur dadurch, dass hier Löcher in der Heifetz-Diskografie gekittet werden, sondern auch durch einen Blick auf den Pianisten Heifetz. Mit dem sind nämlich einmal nach einer Aufnahmesitzung mit Geige die Pferde durchgegangen: Während das Band noch lief, setzte er sich ans Klavier und spielte gemeinsam mit seinem Kollegen Isidor Achron die ziemlich unsägliche "Valencia"-Paraphrase eines gewissen José Padilla. Dass Heifetz hier den Primus gibt, hört man sofort, denn der Diskant ist alles andere als perfekt. Und gerade dies tut gut. Dass wir jetzt also wissen, dass auch dieser scheinbar so Unnahbare ein Mensch war, ist vielleicht die schönste Erkenntnis, die diese CD vermittelt.

Susanne Benda, 23.05.2002



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