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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Johannes Brahms

Rinaldo, Ellens Gesang II (nach Schubert), Begräbnisgesang, Gesang der Parzen

Steve Davislim, Véronique Gens, Ernst-Senff-Chor Berlin, Philharmonischer Chor Dresden, Dresdner Philharmonie, Michel Plasson

EMI 7243 5 56983 2 2
(63 Min.) 1 CD

Johannes Brahms hat zwar keine Opern geschrieben, aber mindestens einmal in seiner Laufbahn war er ziemlich nahe dran: Als Dreißigjähriger vertonte er Goethes Gedicht "Rinaldo" – ein Text, der auf einer Begebenheit aus Tassos "Befreitem Jerusalem" basiert und bereits in der Barockzeit (etwa bei Händel) vielfach als Opernstoff auf die Bühne gebracht wurde. Brahms fasst die stark auf den Schluss hin abstrahierte Handlung des jungen Helden Rinaldo, der Jerusalem von den "Heiden" befreien soll, sich aber in die Zauberin Armida verliebt, auf ihrer Insel in Gefangenschaft gerät und schließlich die magischen Stricke überwindet, um in den (siegreichen) Kampf zu ziehen, in eine große Szene für Tenor und Männerchor.
"Rinaldo" beginnt orchestral wie eine noch unentdeckte Brahms-Sinfonie, bevor sich der Chor (das heißt: Rinaldos Bootsmannschaft) zu Wort meldet. Der junge Solist Steve Davislim hat sich bei der Gestaltung seines höchst ariosen Parts wie auf der Opernbühne gefühlt – das spürt man an jeder Note. Leider ist der Chor nicht so agil und flexibel, um der weiträumigen Gestaltung des Tenors ein optimales Gegenüber zu bieten.
Den bekannteren Werken "Begräbnisgesang" und "Gesang der Parzen" zeigt sich das Ensemble zwar zugänglicher – wunderbar zum Beispiel die große Steigerung im "Begräbnisgesang" –, kann jedoch eine gewisse Statik nicht überwinden. Wenig überzeugend ist die sehr zurückhaltende Interpretation von Brahms' Bearbeitung des Schubert-Liedes "Ellens Gesang II": Die Sopranistin und der Frauenchor im Hintergrund sind kaum zu verstehen; die von Brahms aus dem Klaviersatz gewonnenen Hornpassagen decken zu viel zu.

Oliver Buslau, 04.05.2000



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