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Johannes Brahms, Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart

Doppelkonzert BWV 1043, Sinfonie concertante KV 364, Konzert für Geige und Cello op. 102

Jascha Heifetz, Erick Friedman, William Primrose, Gregor Piatigorsky, Alfred Wallenstein, RCA Victor Sinfonieorchester u.a.

RCA Living Stereo/BMG 09026 63531 2
(70 Min., 1956, 1960, 1961) 1 CD

Was macht ein großer Virtuose, wenn er Doppelkonzerte einspielen will? Er tut sich mit bedeutenden Kollegen zusammen, die er nicht gleich bei den ersten Solopassagen an die Wand spielt. In den vierziger Jahren löste der Geiger Jascha Heifetz dieses Problem sehr elegant: Er legte eine Version des Bach-Doppelkonzerts für zwei Geigen vor, bei der er dank Playback sein eigener Duopartner war. Das war eine Monoaufnahme und konnte deshalb in die Serie „Living Stereo“ keinen Einlass finden. Hier nun spielt Heifetz (Aufnahme von 1961) mit seinem Schüler Erick Friedman - und das Ergebnis ist ziemlich durchwachsen: Gehetzte Tempi und entgegen dem Sinn der Partitur stark nach vorn gezogene Solisten degradieren die Aufnahme zu einer Sechzehnteletüde in Kanonform.
Auch das „Allegro maestoso“, der erste Satz aus Mozarts „Sinfonia concertante“ ist wenig majestätisch, doch ist dieses Konzert im Gegensatz zu Bachs Stück mehr auf den solistischen Effekt hin komponiert, den Heifetz und sein Partner William Primrose an der Bratsche bestens zu erzielen wissen: Ein Mozart mit Vitalität, bei dem die Solisten (das gibt es heute kaum noch) wirklich etwas zu sagen haben - im Gegensatz zum Orchester, das kaum mehr als braves Begleiten bietet.
Der Anstieg der Qualitätskurve setzt sich mit Brahms´ Doppelkonzert (eingespielt 1960) steil fort: Die Kombination mit dem Cellisten Gregor Piatigorsky erweist sich als Glücksfall der Schallplattengeschichte. Die beiden legen ein glühendes Farbenfeuerwerk hin, das keine Sekunde an Spannung verliert. Diese Interpretation hat Referenzcharakter und wird auch heute nicht übertroffen.

Oliver Buslau, 31.01.2000



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