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Johannes Brahms, Clara Schumann

Violinsonaten

Isabelle van Keulen, Ronald Brautigam

Koch/Schwann 3-6554-2
(59 Min., 6/1997) 1 CD

se Einspielung ist eine Wohltat! Zum einen legt sie Zeugnis ab von der Entwicklung einer erstklassigen Geigerin hin zu einer Interpretin allerersten Ranges. Zum anderen zeigt sie Duo-Qualitäten, die auch bei prominentesten “Gipfelstürmern” nicht einmal mehr mit der Lupe zu finden sind.
Clara Schumanns Sohn Felix starb 1879 an Tuberkulose. Brahms widmete ihm aus besonderem Grund die G-Dur-Sonate: er war sein Patenkind. Der thematische Bezug zu den Regenliedern hat eine ähnlich Bewandtnis. Diese widmete Brahms 1873 Clara Schumann, nachdem deren Tochter Julie gestorben war. Die “leichte” G-Dur-Sonate ist somit alles andere als eine “heitere” oder “unbeschwert beschwingte” Komposition. In ihr finden Emotionen in sublimiertester Form Ausdruck. Und genau dies setzen Keulen/Brautigam in einer Stimmungsbreite um, wie ich es seit Jahrzehnten nicht mehr von Platte gehört habe.
Bei der FAE-Sonate, Gemeinschaftswerk von Brahms-Dietrich-Schumann, sind die Charaktere in so unverkennbarer Eigenart herausgearbeitet, dass man zur jeweiligen Urheberschaft keine Zweifel mehr haben kann.
Würde man Clara Schumanns Romanzen ohne Kenntnis der Autorschaft hören, käme man kaum auf den Gedanken, dass dies “nur” “Frauenzimmer-Musik” sei. Die delikate Darstellung durch Keulen/Brautigam belegt, dass gerade “vernachlässigte” Musik Interpreten höchsten Ranges bedarf, um nicht wieder durch gutgemeinte, aber zweitklassige Rettungsversuche tradierte Urteile zu festigen.

Wolfgang Wendel, 31.01.1999



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